Gelage

Krügers DJ

Musik

Eine Nacht lang Tracy Chapman und ich kenne jedes deiner Barthaare bei Vor- und Nachnamen. Unter dem Treppenabsatz ein Hund, der meine Schüchternheit an der Leine hält. Am Fenster ein Eimer Minze, der mich vor dem ersten Kaffee bereits von Menthe à l’eau träumen lässt. Und vor dem Haus ein Tag, der ungeduldig mit den Morgenstunden scharrt. Brotduft aus der nahegelegenen Bäckerei aufwirbelt. Eine To-Do-List drechselt. Ich trage dein Zittern auf der Haut in diesen Tagen.

Fingerspitzend umarmt mich dein Blick, das Wimpernblatt ist frisch aufgemischt – blauschwarz im Ansatz und federnd im Abschwung. Es ist Wort an der Zeit versprichst du dich und freust dich doch weiter am Schweigen, das zwischen unseren Zehenspitzen Ringelegängele tanzt. Mit dem ersten Bissen Sonne im Mundwinkel lächelt es sich asymmetrisch aber kokett, fährst du fort, klaubst noch vor dem Doppel-T wie nebenbei mir mit der Nasenspitze die ersten Sommersprossen von der Wange.

Lachen will ich, auf dass die Noten von der Linie hüpfen, der Flaum dir von der Oberlippe, die Schatten dahin, wo Pfeffer wächst und gedeiht. Auf dass der Tag sich ein Schnippchen schlägt und eine Nacht durchmacht oder zwei. Hauptsache der DJ wechselt, der Kaffee bleibt schwarz und die Tür geschlossen.

Gelage

Schnupperkurs

Als dein Bart und meine Sonnenbrille strähnchenweise Polka tanzten, schwieg der Park um uns auffordernd und unmissverständlich. Dieser Park hinter dem Raum, in dem wir uns begegnet waren, dieser Park, der selbst die Sonne und alle von ihr geworfenen Schatten lächeln machte, dieser Park, der eine Grüntöne mit Photosynthese sättigte, und dafür meinen linken Ohrring einbehielt. Den Ohrring, den du mit der Innenseite deines rechten Ringfingers liebkost hattest, ehe du dich in mein Haar geflüchtet hattest. Das Haar, das ursprünglich hochgesteckt, aber im Laufe des Tanzes der Schwerkraft nachgegeben hatte und nun meine linke Schulter bedeckte, die das Kleid freiließ.

Das Kleid, das so purpurn blinzelte, dass einzig sich dein knurrender Rücken in seine Nähe gewagt hatte. Diese wimperne Nähe, die deine Mundwinkel teilte, meine Fingerspitzen im Blick, deinen linken Ellbogen auch, in dessen Beuge stets mallorquinische Bergseen zu schunkeln scheinen und ein rosmarinduftendes Lächeln im Blick. Dieser Blick, der mich ankommen machte und still, so zitternd wie wach und das bereits drei Atemzüge vor dem Amuse Gueule.

Du hattest dir dem Festtag zu Ehren eine Krawatte gebunden und den Kragen hochgeschlagen, ich ging ohne Mantel, weil endlich mal Sommer und der Flieder in voller Blüte. Dieser Flieder, der deinem Duft nicht den Prosecco, nicht den Port, nicht einmal das Wasser reichen konnte. Dieses Wasser, das uns über alle Gänge hinweg die Stange hielt, den Tanzboden bereitete, ausnehmend kokett by the way, Gesprächsthemen soufflierte und Tropfen für Tropfen Augenaufschläge platzierte, schlüssiger als jede Verschwörungstheorie. Erst recht in der Praxis.