Gelage

Schnupperkurs

Als dein Bart und meine Sonnenbrille strähnchenweise Polka tanzten, schwieg der Park um uns auffordernd und unmissverständlich. Dieser Park hinter dem Raum, in dem wir uns begegnet waren, dieser Park, der selbst die Sonne und alle von ihr geworfenen Schatten lächeln machte, dieser Park, der eine Grüntöne mit Photosynthese sättigte, und dafür meinen linken Ohrring einbehielt. Den Ohrring, den du mit der Innenseite deines rechten Ringfingers liebkost hattest, ehe du dich in mein Haar geflüchtet hattest. Das Haar, das ursprünglich hochgesteckt, aber im Laufe des Tanzes der Schwerkraft nachgegeben hatte und nun meine linke Schulter bedeckte, die das Kleid freiließ.

Das Kleid, das so purpurn blinzelte, dass einzig sich dein knurrender Rücken in seine Nähe gewagt hatte. Diese wimperne Nähe, die deine Mundwinkel teilte, meine Fingerspitzen im Blick, deinen linken Ellbogen auch, in dessen Beuge stets mallorquinische Bergseen zu schunkeln scheinen und ein rosmarinduftendes Lächeln im Blick. Dieser Blick, der mich ankommen machte und still, so zitternd wie wach und das bereits drei Atemzüge vor dem Amuse Gueule.

Du hattest dir dem Festtag zu Ehren eine Krawatte gebunden und den Kragen hochgeschlagen, ich ging ohne Mantel, weil endlich mal Sommer und der Flieder in voller Blüte. Dieser Flieder, der deinem Duft nicht den Prosecco, nicht den Port, nicht einmal das Wasser reichen konnte. Dieses Wasser, das uns über alle Gänge hinweg die Stange hielt, den Tanzboden bereitete, ausnehmend kokett by the way, Gesprächsthemen soufflierte und Tropfen für Tropfen Augenaufschläge platzierte, schlüssiger als jede Verschwörungstheorie. Erst recht in der Praxis.

Gelage

Corps salé

Zunächst die Lunge der Stadtluft entführen, den Mund weit öffnen und Sonne atmen. Literweise gleißendes Sonnenlicht.
Socken und Make-Up und Schuhe und alles, was Ärmel oder Beine hat und Hose heißt in den Schrank verbannen und jegliche Unterwäsche durch Bademode ersetzen.
Barfuß laufen. Das Alter vergessen und Sandburgen bauen.

Morgens jedes Körperteil in Sonnenmilch stippen und sorgfältig einreiben.
Den Leib anschließend mit Meersalz-trunkenem Wind pökeln und Sonnenstrahl für Sonnenstrahl erwärmen.
Kur vor Erreichen der Körpertemperatur den Leib in großzügig gereichtes Meerwasser gleiten lassen und unter gelegentlichem Umrühren stundenlang marinieren. Dabei immer wieder wenden.

Einzelne Partien an den Strand betten, dabei anfangs zumindest Schatten und Wind weiträumig meiden.
Innenräume mit ausreichend Feuchtigkeit benetzen, vorzugsweiße Süßwasser, gerne mit einheimischen Kräutern versetzt.
Einzelne saftige Apfelstücke nachschieben, für die Würze und Biss sorgen etwa Salzletten oder Kartoffelchips.

Weißliche Flecken auf der Haut sind mitnichten Zeichen mangelnder Qualität sondern beweisen den als ausreichend einzustufenden Salzgehalt des Wassers.
Kleine Seufzer sind keine Seltenheit, dann einfach noch ein wenig mehr Sonne suchen und mit möglichst öligen Fingern einmassieren.
Notfalls auf Sonnencreme zurückgreifen. Nicht loslassen, sondern tiefenwirksam einmassieren.

Ruhen. Sonnen. Wenden. Einwirken lassen.
Spätestens bei Sonnenuntergang Bier zugeben. Oder Saft. Wasser. Hauptsache Feuchtigkeit von innen.
Ein Stück Käse kann nicht schaden. Zwei auch nicht. Und eine oder zwei frittierte Auberginenscheibchen tun sogar gut.
In jedem Falle Salz.

Später dann Schatten suchen. Alles Salz auch von außen gründlich abspülen. Den Leib mit Süßwasser fluten. Das Haupthaar vor allem. Aber auch jede Pore. Alles.
Salz- undoder Sandkörner notfalls händisch entfernen.
Sämtliche Hautpartien einölen. Ruhen. Mindestens 30 Minuten bei vollkommener Bewegungslosigkeit.

Bei Dämmerungseinbruch auch noch den kleinen vergessenen Finger entkrampfen und in Olivenöl tunken.
Ablecken. Einatmen. Und wieder aus.