Geliebte

zart und zornig

Sage against the Machine | © Anne Seubert

“Komm in das Land, wo der Feuervogel wohnt.”
Klaus Hoffmann

Der Zorn hat Federn gelassen,
ich helfe ihm über die Straße,
ich singe ihm ein Lied, das du gedichtet,
zwischen Wachen und Träumen, auf Kante gebügelt, auf Knie getragen.

Der Zorn steht heute früher auf,
weiss um Zeter und Mordio, wenn der Kaffee nicht auf Position,
die Götter nicht in der Spur und das Vaterunser nicht im Takt:
Der Zorn legt heute zarte Töne auf, die Wangen doppelt belichtet, die Hände im Muff, der Kragen weit in A-Moll.

Der Zorn hat sich rausgeputzt,
will es nochmal wissen, will können und machen, das Leben auf Hüfte tragen,
nicht sein sondern lassen, sich lieben und mich lassen: wund und wahr und versehrt wie am ersten Tag, als du um Hilfe batest und der Himmel den Horizont barfuß übers Meer schickte.

Der Zorn hat Ratenzahlung vereinbart und einen halben Tag Homeoffice,
er hat gelernt, Fragen nicht immer unters Kopfkissen zu legen, sondern auch mal mit an den Strand zu nehmen, da wo das Herz die Brandung in seine Arme nimmt und das Land regelmäßig den Kopf verliert.

Geliebte

Da wo der Flieder blüht

May Date | King of Prenzlauerberg | © Anne Seubert

Da wo dein Hüftbein Schlange steht, sucht mein Finger eine Bleibe,
bleibt wo dein Herz sich gerade warm zittert,
verlegt vor Freude die Angst,
zwischen Weidenkätzchen und Waldrand,
Giersch und Gundermann.

Das Licht hält inne, sucht die Tiefe.

Am Ufer deines Traums also ein Lager aufschlagen,
Seitenstraßenmusiker, ein Obdach auch dir,
ich habe uns Blumen mitgebracht–
Lippenblütler, die blühen auch im Dunkeln –
solltest du wider Erwarten die Augen aufschlagen.

Der Flieder duftet und verführt die Stille.

Dein Traum aber hat Wurzeln geschlagen,
webt zeilenweise Sonnenküsse zwischen Briefe,
die noch nicht geschrieben, und lädt den Nachmittag
zu einer Spritztour über Land.

Die Stille summt ein Lied, das keine Strophen.

Was du jetzt wagst, wird Spuren in die Erde schmiegen,
wird Fenster sich zur See hin öffnen lassen, flügelweit,
wo bislang das Land am Ruder war.