Geliebte

Bund für’s Leben

– Ist es was Festes?
Ja, sagt sie, sehr fest, ich bin umgezogen. Ich lebe jetzt zusammen mit ihm und für ihn. Ich habe mich entschieden. Mein Ja steht fest, ich will und werde mein Leben mit ihm verbringen.
Sie sagt es ein wenig trotzig, als erwarte sie, ich wolle ihn ihr ausreden.
Sie zeigt mir den Ring und spricht weiter. Er gibt mir Halt. Ich zweifle nicht mehr an allem und viele Frage stelle ich mir nicht einmal mehr.
Aber andere Fragen doch, will ich wissen. Ja, sagt sie, aber das ist etwas anderes. Es fühlt sich anders an, es sind keine Fragen, die mich verzweifeln lassen.

Macht er dich glücklich, frage ich?
Ja, sagt sie und wir schweigen einen Moment. Ich weiß nicht, was ich sagen soll. Ich bin voller Fragen, die ich nicht formulieren kann und mich auch nicht traue zu stellen.
– Aber was ist aus deinen Plänen, deinen Wünschen? Studierst du weiter?
Ja, ich studiere ganz normal weiter. Ich jobbe auch noch. Aber sonst habe ich meine Pläne nach ihm ausgerichtet, er gibt mir die Ziele vor. Er leitet mich. Ich habe plötzlich einen Weg, den ich gehen will. Ich kann einfach gehen, ohne an jeder Kreuzung entscheiden zu müssen. Verstehst du?
Ja, schon, sage ich, aber das Geld, das du verdienst, behältst du das für dich?
Nein, das gebe ich natürlich ab, sagt sie. Ich kriege ein Taschengeld für meinen persönlichen Bedarf. Wenn ich tagsüber unterwegs bin sowieso.
Hm, sage ich.

– Und was ist mit Freunden, abends ausgehen, tanzen und feiern?
Nein, antwortet sie mir, das geht nicht mehr so ohne weiteres. Du kannst mich auch nicht mehr anrufen, ich habe kein Telefon, nur in Notfällen natürlich. Und ausgehen, ausgehen, nein das geht nicht. Will ich aber auch gar nicht mehr. Alkohol auch nicht. Dafür hab ich anderes. Und ich bin nicht mehr allein, also brauche ich meine Freunde auch weniger. Der Kontakt verändert sich. So wie bei uns. Wir sehen uns seltener.
Ja, denke ich. Schweige aber und suche nach einem neuen Ansatz.

Aber ist das auf Dauer nicht eher nervig, hake ich dann nach, nervig, alles gemeinsam zu machen, abends, wochenends und sogar im Urlaub? Brauchst du nicht auch mal Zeit für dich? Hast du überhaupt Urlaub?
Man gewöhnt sich dran, sagt sie, immer noch so ruhig und gelassen lächelnd. Und es ist so schön, wenn immer jemand da ist. Zum reden. Zum schweigen. Da braucht es keinen Urlaub.
Und, Männer? will ich schließlich wissen.
Kein Bedarf, sagt sie. Da muss man umdenken, aber dann ist es kein Thema mehr. Meistens jedenfalls.

Ich staune immer noch. Glauben, so fest, dass man in eine christliche Gemeinschaft nicht nur eintritt, sondern einzieht, wer tut das heute noch?

Geliebte

Wolkenschattenverzerrer/hüter/jäger

M. liebte Blumen. Blumen redeten nicht. Blumen urteilten nicht. Blumen schlugen nicht zu. Blumen hatten nur einen Fehler: sie verwelkten früher oder später.
P. hingegen hütet Wolken, mitunter jagt er sie auch, aber selten. Wolken sind undankbare Jagdobjekte. Viel zu fromm und profillos. P. steht mehr auf harte Charaktere, solche, die Gesicht zeigen. Mit Ecken und Kanten.
M. und P. Sind sich früher nie begegnet, zumindest nicht bewusst. Und das obgleich M. nur eine nasenspitze größer zu sein scheint als p. M.’s blumenliebe gestattet keine Nebenbuhler geschweige denn Blickkontakte mit älteren Herrn von minderer Größe. Was schade ist, unbestritten.

Und ich schrieb ihm eine Geschichte auf den Leib vom Ende über den Anfang zum Punkt.