Geliebte

Butterbrotkind

Du schmierst dir die Butter wurstfingerdick aufs Brot, weil’s schmeckt und die Gedanken schmiert, derer auf der Alm so viele wie im Tal sich winden. Die Berge stehen dir gut, wobei das Schreiben der Städte hörbar bleibt auch hier, der Schnee fällt früher dieses Jahr, doch nicht dicht genug, dich vor der Heimkehr zu retten.

Auch der Schmerz in dir bleibt, die Schulter steif, die Zukunft. Der Ofen brennt so lange du ihm Holz an die Lippen reichst, immer ein Ster zu wenig und doch genug, deine Füße zu wärmen. Hier, wo die Butter aus dem Faß kommt, die Blaubeeren wie von selbst den Weg in die Buttermilch finden und der Käse weiterhin im Laibchen auf der Theke tanzt ist die Heimat nicht deine. Und doch, wenn eine Stimme lacht und die Sonne von hinten wärmt, deinen Rücken erst und dann den Raum mit dieser staubigen Wärme, die gleichzeitig Geborgenheit, lässt du das Begehren grummeln.

Heute abend vertiefen wir unsere Zähne abwechselnd ins Butterbrot und lesen am Abdruck die Zuständigkeit für den Abwasch ab. Oder die Zeche. “Alt Berlin” steht an der Tür, Gin Tonic und Bier sind am Start und auf Wunsch geht sogar die Musik ein paar Grad leiser. Wir strahlen, tasten, tummeln durch Themen, die andernorts Skandal; zwischen uns wird nicht viel Aufhebens darum gemacht, die Vorfreude, so stumm wie unverhohlen, teilt ihre Brote nicht.

Alltag, halt bloß Abstand, verpass den Bus, mach blau, whatever, wir schaufeln uns hier gerade frei!

Geliebte

Aufgespürt und unterwiesen

Küsst du so, wie du schreibst? Eine Leserfrage, die mich rechtzeitig daran erinnert, dass Schreiben eine einsame Tätigkeit ist, während ich zuletzt mit 13 allein küsste, und zwar meinen Unterarm. Immer und immer wieder, bis die gestrenge Lehrerin und Mitschülerin Gnade walten und den Versuch, meine Lippen so auf die Haut meines Unterarms zu pressen, dass es wie ein Kuss aussah und sich auch so anhörte, gelten ließ.

Heute bist du es, den ich küsse. Dann, wenn du nicht hinguckst. Wenn du Pläne schmiedest, Reifen wechselst und Tage zu Schlössern träumst, bei denen die Tore weit offen stehen und 24 Zimmer nur darauf warten, von dir eingerichtet zu werden. Wenn du Etiketten studierst, die mir Angst machen, dir Arbeit. Arbeit, die dein Hirn an der Pommesbude vorbeischickt, wo du die Kalorien im Fett schwimmen lehrst und dann bis zum letzten Tango dazu aufforderst, von der Gabel zu springen und nicht etwa über Los sondern direkt auf deiner Zunge zu zergehen.

Gehe hin in Küssen, gebe dich hin, möchte ich dir zurufen, lehr uns das Nonplusultra. Rot. Blau. Grün möge es uns werden, hinter den Ohren, auf der Zunge, ja, bis in die Kniekehlen kitzeln möge es uns, auf dass der Takt egal werde und die Ochos aus der Hüfte fallen. Fallen, so tief, dass nur du sie spürst, der du selbst das Salz duften machst, das im Sommer die Haut meines Unterarms nach Küssen lechzen lässt, nach Öl, dem grünen guten, das an deinem Herd steht und mich Pläne schmieden lässt. Menuepläne für ein Leben nach dem Reifenwechsel.