Geliebte

Butterbrotkind

Du schmierst dir die Butter wurstfingerdick aufs Brot, weil’s schmeckt und die Gedanken schmiert, derer auf der Alm so viele wie im Tal sich winden. Die Berge stehen dir gut, wobei das Schreiben der Städte hörbar bleibt auch hier, der Schnee fällt früher dieses Jahr, doch nicht dicht genug, dich vor der Heimkehr zu retten.

Auch der Schmerz in dir bleibt, die Schulter steif, die Zukunft. Der Ofen brennt so lange du ihm Holz an die Lippen reichst, immer ein Ster zu wenig und doch genug, deine Füße zu wärmen. Hier, wo die Butter aus dem Faß kommt, die Blaubeeren wie von selbst den Weg in die Buttermilch finden und der Käse weiterhin im Laibchen auf der Theke tanzt ist die Heimat nicht deine. Und doch, wenn eine Stimme lacht und die Sonne von hinten wärmt, deinen Rücken erst und dann den Raum mit dieser staubigen Wärme, die gleichzeitig Geborgenheit, lässt du das Begehren grummeln.

Heute abend vertiefen wir unsere Zähne abwechselnd ins Butterbrot und lesen am Abdruck die Zuständigkeit für den Abwasch ab. Oder die Zeche. “Alt Berlin” steht an der Tür, Gin Tonic und Bier sind am Start und auf Wunsch geht sogar die Musik ein paar Grad leiser. Wir strahlen, tasten, tummeln durch Themen, die andernorts Skandal; zwischen uns wird nicht viel Aufhebens darum gemacht, die Vorfreude, so stumm wie unverhohlen, teilt ihre Brote nicht.

Alltag, halt bloß Abstand, verpass den Bus, mach blau, whatever, wir schaufeln uns hier gerade frei!

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