Geliebte

du hast augen mit blick auf das meer*

gar neptuns gärten
unter wasser gelegen
algen verhangen
lassen sich dort ausmachen
folgt man
von der pupille ausgehend
den mustern deiner iris:
versponnen, verwinkelt, vermoost,
verwässerte mosaike

fernwehern streichelt mein blick
dich
im vorübergehn
ungetrübt der sonnenaufgang
an deinem meer

* sang einst schon h.v. veen

Geliebte

(S)Ein Hauch von Anis

“Nur Wörter mit 2 oder mehr Zeichen werden akzeptiert.” Also: “Wieviele Zeichen machen doch gleich ein Wort?” Auch: “Doch lieber ein Bild?”

Dank Heiserkeit ausreichend wortlos, macht er seinen Fersen Augen. Statt Flügeln. Ahmt die See nach, mal kommend, mal gehend, immer aber: wortlos mächtig, den Bauch zum Horizont hin dehnend. Die grobfaserige und darob liebgewonnene Reisetasche wurde mal wieder gepackt, mit zwei handbestickten Schultergurten auch großzügig bemessenen Streckenabschnitten gewachsen, in der Seitentasche vorsorglich der neue Biometrische, man weiß ja nie.

Auf den ersten fünfzehn Schritten mit drei Fragen konfrontiert, verlässt ihn der Mut. Vorzeitig, möchte man argwöhnen und schweigt einzig ob des vielsagenden Zitterns seiner weigelschen Augenbrauen, und widmet ihm statt einer Rüge ein Lächeln jenseits von Dosierungsanweisungen und Drittmittelverordnungen. Er wickelt den doppellagigen Schal einmal mehr um den inwändig wundgeröteten Hals, wirft Salbei nach, Anis und Kamille, und begibt sich zehenspitzend zurück ins Haus.

Man bleibt bildreich bestückt zurück und obgleich duftumlagert fröstelnd. Nicht ein Wort vermissend, nur ihn.