Gelüste

Irgendjemand spielt Klavier

Rügen 2021 | © Anne Seubert

Moment, sagst du, und ich
Warte

Im Garten lacht einer, das Beet
ist eines, in das ich meine Hände grabe
als gäbe es etwas zu heben,
einen Schatz, von dem nur ich weiss
dank einer Karte, die du nur mir verraten hast
und es ist ein Schatz, den meine Hände
weniger heben, denn hüten

Moment, sagt du, und ich
Warte

Am Himmel singt einer, der Stimme nach
könnte es ein Vogel sein, der
des Fliegens müde ein zweites Standbein aufgetan
und gleich lautstark zum Tanzen gebracht hat
und wie immer spielt einer
spielt irgendjemand Klavier
es könnte ein Flügel sein.

Moment, sagst du, und ich
Warte
Das Wunder kommt gleich.

Gelüste

Dem Duft nachgeben

#wir | © Anne Seubert

Dem Duft nachgeben. Dem Duft nachgehen, den du unterm Zopf trägst, sorgfältig hochgesteckt. Dem Abend Glauben schenken, der ins Plaudern geraten war, jenseits der eigentlichen Agenda. Der Stille gewahr werden, die sich in den Atempausen kokett in Szene zu setzen versucht, durchaus mit Erfolg.

Dem Lektorat ein Zeichen setzen, zwischen die Stühle, morgen sei auch noch ein Tag. Der Vorfreude aufs Tablet helfen, das du leer aus der Küche mitbringst, Geduld sei geboten. Den Händen ein Angebot machen, das sie nicht ablehnen können: Ehre wem Ehre gebührt.

Der Nacht ein Lager bereiten, nahe am Fluß, mit Blick auf die Morgenröte und ein paar Wolken als Sichtschutz bis dahin.