Gelüste

und der Ozean matt.

Katzenfenster | © Anne Seubert

Siehe, das Ufer ist müde geworden, zieht sich zurück. Dein Meer hat Wasser gelassen, täuscht zwar noch Wellen vor, lässt aber schon eine Handbreit Tiefe vermissen, sendet konspirativ Rauchzeichen.

Das Licht hat es sich an der Elfenbeinküste gemütlich gemacht und den traditionellen Morgengruß verschlafen. Heute mal Homeoffice und den Ozean an der langen Leine bis der Wind das Abendrot einläutet und die Flut im Angesicht des volltrunkenen Mondes kalte Füße bekommt.

Ich möchte Ebbe sein an deinem Strand, das eine unter deinen tausend Märchen und die Blume deines Bösen, das erwacht wenn der Mond zur Ader gelassen wird und du anfängst zu zeichnen.

Siehe, das Ufer ist müde geworden, zieht sich zurück. Deine Stimme dunkelt nach und nach das Blau aus dem Kasten in die Kleiderkammer und drei Oktaven tiefer wieder hervor. Ich erkenne dich trotzdem, blinder Passagier, der du meine Wege kreuzt wann immer Land in Sicht oder auch nur auf dem Radar.

Exgüsi, räuspert sich der Wenn-Dann-Satz und schwingt die Hüften. Wie wäre es mit einer Runde Blitz-Schach bis das Gewitter dem Sturm aus dem Morgenmantel hilft?

Siehe, das Meer atmet wieder, die Lippen leicht geöffnet. Dein salziger Atem lässt meine Wimpern tanzen, einen Horizont nach dem andern bezirzend bis dem Flirt schwindelig und der Ozean matt.

Gelüste

friendshipping

Mein rechter Platz ist frei | © Anne Seubert

manchmal geht das leben für eine weile auf distanz, nimmt sich eine auszeit, übt kirschkernweitspucken, backt käsekuchen und macht einen auf digital nomad. mitunter stellt sich der körper dann die frage nach dem wozu, schützt coworking vor, brütet aber unverträglichkeiten aus, verspannt schultern und nacken.

mitunter tut es dann gut, dem leben mit wunschlisten auf die sprünge zu helfen, deals einzutüten, bei denen kunst nicht nur von können sondern viel auch von küssen kommt, auf denen das wasser nicht nur handbreit unterm kiel sondern mannshohe wellen schlägt und der horizont immer in sichtweite.

oft schlägt der alltag dann doppelt zu, verordnet dir screenphasen, die jede work-life-balance blass werden lassen und as he calls it intensive projektphasen. solange du deine to-do-liste noch siezt, ist alles fein, wenn dir aber der name deines lieblingsitalieners partout nicht mehr einfallen will, besteht handlungsbedarf: ein, zwei sonnenuntergänge auf ex, mindestens eine runde friendshipping und – ein spaziergang durch neukölln!