Gelüste

Jungfuchsdämmerung

Engel würden Vokuhila tragen | © Anne Seubert

deine fährte aufnehmen
deiner tatze die eine wange hinhalten
und die andere auch
deine hutschnur hochgehen und
alle felle davonschwimmen lassen
bloß dich bergen vor aller erden blick
dir himmel und herz aufgehen lassen

anschleichen

der dämmerung einheizen und
wolke für wolke deine blöße bedecken
deiner wunden gewahr werdend alle hände auflegen
deinen nacken kraulen
den muskeln unter das fell folgen
stille dir einflößen, subkutan und
unwiderstehliche fallen dir stellen, mond voran

anschmiegen

den bau dir bucht werden lassen
anker das licht, dem dein rücken die wand,
sich anzulehnen zwischen den schatten, die da fallen wo dein schritt spuren hinterließ

deinen blick finden und im einfallswinkel der pupillen
dir den milchschaum um den roten bart streichen
schliesslich dich einbuchten, mit blick auf den mond und zurück.

Gelüste

Eine Hand voll Holunder

Moviemento Shortfilms | © Anne Seubert

Du seist eine von vielen, sagen sie, hilfreich, edel und gut, sagen sie. Eine Hand voll von dir, sagen sie, gekommen, dich zu entsaften, berge Tage eines Sommer wie er im Buch steht. Bitter bis in den Herbst und auch über den Winter.

Du, eine Streunerin, dein dunkles Perlenspiel baumeln lassend, wo ich geh und steh auf Augenhöhe gern, jenseits der Brombeerhecke auch, auf dass ich mich recke. Wildwuchs du, Mundraub durch zarteste Bitterkeit vereitelnd, trägst du die Beeren des Sommers rudelweise um den schlanken Hals. Eine der ersten blühst du so sanft, küssen möchte man dich, pflückt man dich, sanft dir die Blüten nehmend, noch ehe der Sommer auch nur eine Zehe aus der Sandale gewagt.

Den Blick stets keusch zu Boden blühst du als eine der ersten herzallerliebst weiss, Holundermädchen, noch den süßesten Zucker zu Unschuld verführend, reifend aber dunkelst du nach. Nahe dem Schwarz gebaut möchte man deine Pantone umschreiben und hat kaum dich auf der Zunge bereits im Herzen, dunkelste aller Sonnen.

Dein Geheimnis aber trägst du mit dir, mit mir, lässt die Rinde dir nehmen, die Frucht, die Blüte, aber nicht das Herz, das im nächsten Frühjahr wieder schlagen möchte, dort, wo der Weg die Segel streicht, Pfad wird und zart sich ins Unterholz schlägt, neue Wälder zu erkunden, die Obdach dir und mir Heimat.