Gelüste

Eine Hand voll Holunder

Moviemento Shortfilms | © Anne Seubert

Du seist eine von vielen, sagen sie, hilfreich, edel und gut, sagen sie. Eine Hand voll von dir, sagen sie, gekommen, dich zu entsaften, berge Tage eines Sommer wie er im Buch steht. Bitter bis in den Herbst und auch über den Winter.

Du, eine Streunerin, dein dunkles Perlenspiel baumeln lassend, wo ich geh und steh auf Augenhöhe gern, jenseits der Brombeerhecke auch, auf dass ich mich recke. Wildwuchs du, Mundraub durch zarteste Bitterkeit vereitelnd, trägst du die Beeren des Sommers rudelweise um den schlanken Hals. Eine der ersten blühst du so sanft, küssen möchte man dich, pflückt man dich, sanft dir die Blüten nehmend, noch ehe der Sommer auch nur eine Zehe aus der Sandale gewagt.

Den Blick stets keusch zu Boden blühst du als eine der ersten herzallerliebst weiss, Holundermädchen, noch den süßesten Zucker zu Unschuld verführend, reifend aber dunkelst du nach. Nahe dem Schwarz gebaut möchte man deine Pantone umschreiben und hat kaum dich auf der Zunge bereits im Herzen, dunkelste aller Sonnen.

Dein Geheimnis aber trägst du mit dir, mit mir, lässt die Rinde dir nehmen, die Frucht, die Blüte, aber nicht das Herz, das im nächsten Frühjahr wieder schlagen möchte, dort, wo der Weg die Segel streicht, Pfad wird und zart sich ins Unterholz schlägt, neue Wälder zu erkunden, die Obdach dir und mir Heimat.

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