Gelüste

An der Bar

Bier, Wein, Schampus | © Anne Seubert

Auf einen Drink, schriebst du, an der Bar. Und ich wollte es wäre bereits Abend und der Drink serviert, abkassiert und die Nacht am Zug, Sterne im Bordrestaurant servierend, die zwar die Sonne nie gesehen, aber trotzdem glühen. Die Sonne, die Zeuge war, als mein Lächeln sich auf meine Lippen wagte zwischen Ober- und Unterlippe eine spaltbreite Öffnung aus der Reserve lockend, die sich meine Wimpern zu Herzen nahmen und ein Kräuseln auflegten.

Bier, Wein oder Schampus standen Spalier als ich eintrat und du sitzenbliebst, deinem Blick den Vortritt lassend und mir die Wahl. Ich ließ uns Minuten auf dem Trockenen sitzen, die Vorfreude mit den Füßen scharren und den Kellner, die Kellerschätze auffahren. Dein Duft übernahm den Small Talk, während meine Finger deine Hüften aufspürten, Morsezeichen im Köcher, und mein Atem um Fassung rang.

Das Silbertablett hatte bereits Feierabend, der Aschenbecher war überfüllt und der Stuhl wackelte, aber die Wände gaben uns Rückendeckung und rechte Winkel, wenn wir die Kurve mal wieder nur kratzen und der nächste Halt immer einer zu früh oder einer zu spät ist aber nie der zwischen meinen Schulterblättern. Und dann nimmst du dir mein volles Glas zwischen deine Lippen und ich trinke aus.

Und good old Brandenburg läutet derweil den Abend ein, entscheidet sich doch nicht zu regnen, lässt Milde walten, legt Soul auf.

Gelüste

Kompass? Das Zittern der Sterne!

ALMA antennae bathed in red light. in the background there is the southern Milky Way on the left and the Magellanic Clouds at the top. Credit: ESO/C. MalinALMA antennae bathed in red light. in the background there is the southern Milky Way on the left and the Magellanic Clouds at the top. Credit: ESO/C. Malin

‘‘When I was young, we had canoes,’’ Kelen told me one afternoon on Aur. ‘‘We didn’t have TVs. In evening time, my father would open his arm, like this, and say lie there,’’ he tapped the inside of his elbow, ‘‘and he would tell me the legends of sailing. Some people have those heroes, like Superman, and they’re picturing they are Superman.
When my dad talked about sailing, I was on that canoe.’’

Kim Tingley, ‘The Secret of the Wave Pilots’, New York Time Magazine, 03/2016

Die Sterne trugen Schwarz in dieser Nacht als sich zwischen meinen Ellbogen ein achter Ozean aufmachte, deine Küsten zu umspielen und dein Segel herauszufordern, August mit Namen. Drei Ellen waren ihm eine zu wenig, er machte sich breit, meinen Nabel auslotend um dir eine Handbreit Tiefe gewähren zu können, egal wie quer du dich stellst.

Beide Schultern schobst du ins neu geschöpfte Meer zwischen meinen Armen sobald von Wasser die Rede und die Wellen bereit, deinen Rücken zu tragen. Die Wellen, die mein Becken Beben für Beben preisgab, einatmend Ebbe, ausatmend Flut kredenzend, mehr unseren Atemzügen als dem Mond Folge leistend, der kreisrund am Himmel thronend Schmiere stand auch als wir die Augen schlossen.

Als die Dunkelheit sich zurückzog, gab der Himmel behutsam das Zittern der Sterne preis, Kompliment und Kompass zugleich für diesen Morgen, der das offene Meer spontan als Heimat adoptiert hatte.

Optionaler Soundtrack: Dope Lemon: Where do you go