Gelüste

Eine Handvoll Buchstaben

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Der Mensch in mir ist einer der zählt, Momente, Fehler, Speichen und leere Stühle zwischen den Tischen, die doppelt gebucht, aber ungedeckt blieben, Momente ohne wenn und woher, Momente, die wehtun, Momente, die bleiben wollen. Momente zwischen den Tagen, wenn der Abend noch Tag und die Nacht noch ohne Namen.

Der Mann in mir ist ein Flüchtender, einer der das Fell dick aufträgt und die Zweifel ab und gegen den Strich, mit zwei rechten Händen weil links schon das Herz: schlägt. Schlingert. Streichelt. Am liebsten Momente zwischen dem großen und dem kleinen Zett hindurchstreichelt, da wo dein Faden Striche sucht und das Weite findet: Bogen schlagend, zweifach gestreichelt bis zum hohen C, linksrum eingefädelt und durch den Hintereingang wieder raus, ehe jemand bemerkt, dass er die Heimat selbst: Laib und Seele.

Die Frau in mir ist ein Mann, der auf Händen geht, das Fahrrad schiebt, um’s Verrecken keine Bechamel-Sauce kochen kann und notorisch Wunden leckt statt sie heilen zu lassen, mit rauer Zunge Gänsehaut provozierend, unabsichtlich natürlich. Die Frau in mir will mehr als ihr zusteht, mehr Wasser als in der Flasche, mehr Wut als in der Angst, mehr Runzeln als Raufaser, mehr Atemlosigkeit. Die Frau in mir trägt Anzug zur Begrüßung und alles was danach kommt entsprechend mit mehr Verstand als Ruhe, mehr Rhythmus als erlaubt.

Das Kind in mir steht da noch auf einem Bein, spielt ehrlicherweise Saxophon lieber als Klavier lieber als Blockflöte, Fangen lieber als Verstecken und am allerliebsten Zeilen verzärtelnde Streiche. Gerüttelt statt gereimt, die Fragen als Jambus getarnt, stets eine Doppelsilbe als Schlussakord in der Hosentasche, deren Loch nur die kleinen, serifenlosen Konsonanten durchlässt, die fett gedruckten Kapitalen aber sammelt: eine Handvoll Buchstaben, stets auf der Flucht und nur dich, Komma, im Visier.

 

Gelüste

Zwischen Wunsch und Zärtlichkeit

Vogesen

Einen Fluß namens Wiese parken, gleich da wo der Weg beginnt und du den Fuß sinken lassen möchtest in Wonne und Wohin und einen Berg Landschaft an deine Hüfte schmiegen, einen Hügel anfüttern, Heublumen säen, muldenweise, den Himmel um Käsebrote bittend und den Abend um Geduld. Viel Geduld und eine Schippe Anmut.

Einen wie dich hochnehmen, durch die Schlucht hindurch und dann steil am Seil, da wo der Gletscher kalbt und einen Horizont weiter noch, der Wand den Rücken schmiegen, da wo die so lang gehen, die eher tief stapeln und die ich immer schon mal anbaggern wollte: Seen, immer eine Nuance heller als geplant, immer eine halbe Oktave tiefer, eine Uferlänge Abstand.

Das Wetter um den Finger wickeln und die Luft in Wellen abführen, Wolken genüsslich abwatschen und den Bogen so weit spannen, dass alles reinfällt, was Flügel und alles draufpasst, was zu Fuß unterwegs, oneway versteht sich, wir sehen uns da wo unten oben, meine Arme noch eine Runde offen und der Weg noch ein Stück Käse auf der Lauer liegen hat!