Gelüste

Stirn & Stichling

da wo es wehtut, lächelst du, spielst. mich an die wand und mit offenen karten ein land zwischen die richtungen, das mehr küste hat, als ich zum landen benötige. ein land, das auf eine postkarte und zwischen meine zweifel passt, das dem wundern eine handvoll wasser unter den federkiel packt und meinem kompass einen fixstern auf die stirn.

die stirn, die allzu gern runzeln schlägt und den magen sich kräuseln lässt vor all dem übel, das sich auf dem teller häuft, den ich mir wie immer zu voll geladen hatte, nicht ahnend, dass du kochen würdest: vor wut, mit lust und gegen die leere im dekollete, die sich gen abend zumindest für deine augen abgezeichnet hatte.

dass der schlüssel nicht passt, die uhr stehengeblieben und das rad platt, hält dich nicht davon ab, die reise anzutreten: mit zettel und stift, stilblüten und stehkragen, kümmerling und paddelboot und der angst im nacken, den hüften zu vertrauen: tant pis, welle, geh tanzen üben, wir stechen in see!

Gelüste

Stadteinwärts

Dein Blick flirrt über die Kreuzung als ob du die Stadt fluchen hören könntest und Schatten suchtest, wo nichtmal Sonne, geschweige denn Mensch. Die nächste Bahn wird verspätet eintreffen, sagt eine Stimme, die ich nicht an mein Ohr lassen möchte. Man dankt uns für unsere Geduld, die ich nie hatte, im Gegensatz zu allzeit zu weichen Knien, die gerade mal wieder Butterschmalz und Spucke.

Wo nimmst du nur diese Gradlinigkeit her, die uns immer und immer wieder auf Gleis 3 enden lässt, pünktlich zum Feierabend, den letzten Absatz der To-Do-Liste noch in der Hand und das Wochenende auf den Lippen. Die Idee, das nächste Kapitel in Braille mir auf die Hüfte zu tätowieren fand ich schon gut, noch ehe du mir davon erzählt hattest. Als du mir Finger für Finger die Punkte des ersten Satzes probehalber in die linke Leiste drapiertest, und dann kurz ins Stocken kamst, als es um die Anführungsstriche bei der direkten Rede ging, hätte ich gerne die Rollen getauscht.

Die Stadt lauschte erst heimlich später offenkundig beim Abschied und zitterte mit uns um jeden Sonnenstrahl, der das Tragen von slightly zu kurzen Oberteilen ermöglichte. ich bitte um einen Exkurs und hauche dir auf dem Weg in deinen Nacken eine Fußnote hinters Ohr. Etwas Hintergrund tut jeder Story gut und lineare wäre nicht dein Stil, feuerst du mich an, dir noch eine Anekdote in die dritte Erzählebene zu packen, den roten Faden nährend, der sich wie eine Straßenbahn ihre Linie deine Wirbelsäule hinabtastest. Wehe du schauerst, sagt mein Blick, der die Stadt für einen Moment aus den Augen verliert.