Gelüste

Stadteinwärts

Dein Blick flirrt über die Kreuzung als ob du die Stadt fluchen hören könntest und Schatten suchtest, wo nichtmal Sonne, geschweige denn Mensch. Die nächste Bahn wird verspätet eintreffen, sagt eine Stimme, die ich nicht an mein Ohr lassen möchte. Man dankt uns für unsere Geduld, die ich nie hatte im Gegensatz zu allzeit zu weichen Knie, die gerade mal wieder Butterschmalz und Spucke.

Wo nimmst du nur diese Gradlinigkeit her, die uns immer und immer wieder auf Gleis 3 enden lässt, pünktlich zum Feierabend, den letzten Absatz der To-Do-Liste noch in der Hand und das Wochenende auf den Lippen. Die Idee, das nächste Kapitel in Braille mir auf die Hüfte zu tättowieren fand ich schon gut, noch ehe du mir davon erzählt hattest. Als du mir Finger für Finger die Punkte des ersten Satzes probehalber in die linke Leiste drapiertest, und dann kurz ins Stocken kamst, als es um die Anführungsstriche bei der direkten Rede kamst, hätte ich gerne die Rollen getauscht.

Die Stadt lauschte erst heimlich später offenkundig bei jedem Abschied und zitterte mit uns um jeden Sonnenstrahl, der das Tragen von slightly zu kurzen Oberteilen ermöglichte. ich bitte um einen Exkurs und hauche dir auf dem Weg in deinen Nacken eine Fußnote hinters Ohr. Etwas Hintergrund tut jeder Story gut und lineares Erzählen wäre nicht dein Stil feuerst du mich an, dir noch eine Anekdote in die dritte Ebene zu packen, den roten Faden nährend, der sich wie eine Straßenbahn ihre Linie deine Wirbelsäule hinabtastest. Wehe du schauerst, sagt mein Blick, der die Stadt für einen Moment aus den Augen verliert.

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