Gelüste

mein herz denkt nach

mein herz denkt nach
dem essen
oft ein paar stockwerke tiefer,
schützt appetit vor
wo nerven brach liegen,
lacht dem nachtisch ins
gesicht und stellt die musik
lauter als es die etikette erlaubt,
auf dass seine gedanken unerhört bleiben.

mein herz reisst sich im angesicht des sturms noch
das hemd von der brust,
zeigt klammerbeutel wo andere niere tragen
nimmt heimlich tanzunterricht
– nicht untalentiert –
um nicht ewig zwei zeilen auf einmal zu steppen;
es führt meistens und kichert geradezu verunsichert,
wenn es mal in die follower rolle schlüpfen soll.

mein herz klatscht beifall
fast jedem dem es begegnet,
bittet um zugabe noch den
lampenfiebrigsten lebenslaien,
schmeisst lokalrunden
schneller um die ecke als ich
gucken könnte und lacht sich
hernach ins fäustchen
während wir noch an unserem ersten tête à tête knabbern.

Gelüste

Während du an Land

Leg mir die Hand auf den Mund
auf dass ich dich in den Finger beiße,
deine Hand Finger für Finger vom Salz befreie,
Atem einholend, während du an Land.

Lass mich dich zum Schweigen bringen,
an der Hand genommen,
durch Lächeln allein und einen Blick,
der sich auch von Plexiglas nicht aufhalten lässt.

Bette mir deine Lippen in den Nacken, One-Night-Stands,
da wo der Schmerz auf dem Weg gen Schulterblatt allzugern ankert,
lass Worte mir, als Zwischengang gerade noch hörbar südlich des
Ohrläppchens drapiert, da wo der Halbschatten Verstecken spielt.

Geb dich für eine Armlänge zwischen meine Zeilen,
lass Kommata mir aus den Fingern perlen
und dir ins Dekolleté, Sinn stiftend, da wo sonst
pure Anarchie Graben schlägt, spitzenumhüllt.