Gelüste

bloß, blond und blauäugig

Sei Feind mir im eigenen Bette,
zieh meinem Ego das Fell über die Ohren,
bis nichts mehr denn Atem; der deine
Lass mich stehen, wie ich bin: bloß, blond und blauäugig.

Bette deinen Leib mir zu Füßen,
vergeblich Schatten suchend und
uns die Geborgenheit in Fetzen aber köstlich wie Antipasti zum Fraß vorwerfend:
Sei nackt und wild und wandelbar!

Schau uns an, indiskretestens, Gefährte, heute ist Markttag,
und es gibt Haut, frisch geölt und auf Sichthöhe drapiert, ausschnittweise.
Lass durch deinen Blick deinen Zynismus Kommata setzen zwischen meine Lüste,
großzügig wie die Wochenendbeziehung mit meinem Ego und ebenso vergeblich.

Gelüste

mein herz denkt nach

mein herz denkt nach
dem essen
oft ein paar stockwerke tiefer,
schützt appetit vor
wo nerven brach liegen,
lacht dem nachtisch ins
gesicht und stellt die musik
lauter als es die etikette erlaubt,
auf dass seine gedanken unerhört bleiben.

mein herz reisst sich im angesicht des sturms noch
das hemd von der brust,
zeigt klammerbeutel wo andere niere tragen
nimmt heimlich tanzunterricht
– nicht untalentiert –
um nicht ewig zwei zeilen auf einmal zu steppen;
es führt meistens und kichert geradezu verunsichert,
wenn es mal in die follower rolle schlüpfen soll.

mein herz klatscht beifall
fast jedem dem es begegnet,
bittet um zugabe noch den
lampenfiebrigsten lebenslaien,
schmeisst lokalrunden
schneller um die ecke als ich
gucken könnte und lacht sich
hernach ins fäustchen
während wir noch an unserem ersten tête à tête knabbern.