Gelüste

Feiertags

Eben noch: das Leben verwünscht, aus aller Kraft und mit schiefem Lächeln dem rumbuckligen Lebensgeist ein Bein nach dem anderen gestellt. Dann aber: Die Knie zurück unter die Bettdecke gezogen, ausatmen und Tee trinken. Den guten mit den koriandergrünen Minzblättern aus deinem Garten. Dem Wunder krumigen Boden bereiten, die Erde auflockern, handvollweise Luft unterheben, da und dort gar Mohnblumensamen vergraben. Dir und mir Lust unter die Nase reiben, behutsam die Hand auf eine rechte Wade und die Wade an eine Fußsohle legend. Lächeln.
F5 drücken.

Wortörtliche Kleinode wie Brausebonbons mir auf der Zunge zergehen lassen, dem Kribbeln hinterlächeln wie es mir zwischen den Brüsten gen Schambein rinnt. Der wispernden Gänsehaut auf deinen Schenkelinnenseiten nachspüren. Endlich wieder Puls haben. Durstig einatmen. Hörbar ausatmen. Innehalten.

Später dann die Nachmittagssonne mir um die Schultern legen, fröstelnd. Den Boden wässern, nähren und wenigsten die oberste Schicht mit den rotlackierten Fußnägeln durchpflügen. Ob des flirrenden Fliederdufts inmitten der satten Sommerluft Appetit bekommen, jenseits des flaumigen Bauchnabels. Den Abend willkommen heißen, der schüchtern um die Ecke biegt. Dich lautlos aber nachdrücklich auf einen Apero einladen. Und auf Wassermelonensalat mit Schafskäse und gerösteten Pinienkernen im Bett.

Gelüste

Feierabend mit Streuseln

Am Abend des ersten Sonnentages kniete er bei einbrechender Dämmerung nahe ihrer bloßen Fußsohle, ein Köstritzer in der linken Hand, die Wange an ihren wonnigen Bauch gelehnt. Ein Sonnentag genügte und ihr Herz schlug wieder verlässlich auf Bauchnabelhöhe, bei Atemlosigkeit und AufErregung gar sichtbar. Die Wange war ungewöhnlich glatt rasiert, markierte damit wochenendliche Kussbereitschaft, wahrscheinlich handelt es sich sogar um einen Freitagabend.

Er hatte den frühen Feierabend für einen Stadtspaziergang genutzt, den Weg an der Eisdiele vorbei gewählt, und über die sich über den einen, ersten Sonnentag gebildete Schlange der Eishungrigen gefreut. Einmal Vanillje mit Streuseln und Regenschirm, bitte. lauscht er im Vorbeigehen und schmunzelt ebenso vanille-lüstern wie genussbereit. Von der Eisdiele sind es nur mehr 63 – an langsamen auch mal 67 – Schritte bis zu ihren Fußsohlen, eine kleine Brücke ist zu überqueren sowie ein vierstufiger Treppenabsatz zu erklimmen. Eine Tür zu öffnen. Einzuatmen.

Ersteinmal in der Wohnung gilt es ihren Schatten zu erhaschen – die neuerdings bis zu seinem Feierabend durchhaltende Abendsonne macht dieses Unterfangen unendlich leichter. Intuitiv dann ihren Leib zu ertasten, die Augen bis zu einem winzigen Spalt geschlossen und die Nase in ihr Haupthaar zu vergraben, das sie immer wieder vergisst, offen zu tragen. Den Moment der Berührung zögert er gern hinaus, horcht erst, ob das Herz noch schlägt, beatmet bei dieser Gelegenheit den zitternden Bauchnabel, hält inne bis die Knie ihn ans Vergehen der Zeit und das ausstehende Abendessen erinnern, schmerzhaft zuweilen.

Das Bier hingegen nimmt er dankbar aus ihren Händen, der erste Schluck markiert den Frieden mit dem Tag, nach dem zweiten folgt endlich die Umarmung, die auch ihre Lippen lächeln macht. Einziges Opfer: Der Streusel im rechten Mundwinkel, der auf ein Lächeln nicht gefasst, vom Vanille-Eis schon allzu säuberlich gereinigt, den Abgang macht. Unbemerkt.