Gelüste

Antipasti in Erdtönen

Manchen Weg meistert man am Besten zu Fuß.

Halmhohes Wurzelwerk unter der Sohle beruhigt den Herzschlag auf das Nötigste. Matsch, so weit das Auge reicht, nur in den schärfsten Kurven notdürftig Rindenmulch. Der Stadt entkommen. Aufatmen. Dem Auge einen Fokus suchen, dem Herz ein Ziel, der Ferse den nächsten Halt. Knietief im Nichtsdestotrotz. (ankommen)

Spüren, wie sich winzige Wassertröpfchen zwischen die locker geflochtenen Strähnen schmiegen, Pore für Pore nähren, die Schleimhäute wiederbeleben. Feuchtigkeit satt und nicht eine Menschenseele in Sicht. Raum für Atemzüge und Schrittweiten über der Norm. Raum auch, den Liedzeilen im Kopf eine Stimme zu geben. (weich werden)

Keine Spuren, kein Zurück. Dafür Augenblick für Augenblick genüsslich auf eine Gabel gespießt. Sichtachsen, als Appetithappen drapiert in lasziv transpirierende Stillleben. Licht nur um Silhouetten erahnen und Schatten zeichnen zu können. Zuweilen: ein großzügiger Streich leuchtendes Gelb inmitten sahnigen Brauns. (eintauchen)

Gelüste

Lust auf Herbst?

Hier und heute nacht habe ich meine Flirtlaune wiederentdeckt. Sie hatte sich eingeigelt über die Sommermonate, und war daher blass wie am ersten Januarmorgen, als ich sie spontan zu einer Fahrt ins Blaue mitgenommen hatte. Sie sei ein Oktobermädchen, nuschelte sie zwischen zwei Heu-Halmen, die sich ihr ins Haar geflochten hatten, und meide direktes Licht. Das schattig Flackernde sei ihrs, das munkelnde Herbstlicht lieber noch als das backfischhafte Frühlingsleuchten.

Brauntöne möge sie, Grau auch und rauchiges Blau. Diese Tage, denen man die Gezeiten anmerkt, die zwar zart sein können aber ebenso rau, die sich treiben lassen, wankelmütig, wagemutig und zu allem bereit. Die den eiskalten November in sich tragen ohne die Maiwärme zu verleugnen, die strahlen können, dass einem Hören und Sehen vergeht, um einen im nächsten Augenblick zittern zu machen.

Sehnsüchtig erwartete erste laue Sommernächte liebt sie, an denen die Nächte noch kalt genug, um die übermütig bloß gelassenen Schienbeine mit Gänsehaut zu überziehen. Und mit Nüssen, Flammkuchen und Kerzenlicht zelebrierte Herbstabende, bei dem Brot und Lachen geteilt werden und etwaig anfallende Tränen in gute Hände fallen.

Der in Verruf geratene Blick über Schultern gefällt ihr besonders, halb Aufruf halb Abwinken. Der gezielte Blick zwischen dunkelwandigen Wimpern, der nicht fragt sondern antwortet. Der Fall warmen Stoffs über bloßen Schultern. Breiten Schultern. Braun gebrannten Schultern. Sie liebt festes Schuhwerk weit mehr als schlüpfrige Sandalen. Und ebensolche Jungs.