- mich um 4 Uhr früh aus dem Schlaf kitzelst, weil am Fuße des Teufelsberg ein Gänseblümchen zu blühen wagt.
- mir um Mitternacht Frühstück servierst, weil du weißt, wie sehr ich unangemessene Mahlzeiten liebe. Frühstück besonders.
- deine Finger in mein Haar flichst, ohne dass ich es merke, während der Bus über Kopfsteinpflaster brettert.
- meine Schuhe, dem heiligen Nikolaus zu Ehren, mit Konfekt und Walnüssen füllst, auch wenn noch lange nicht Dezember.
- mir dein letztes Lächeln vor dem Schlafengehen schenkst, auch wenn der Tag längst alle verbraucht hatte.
- deinen Lieblingswein mit mir teilst.
- mich in den Schlaf singst, wenn ich vor Erschöpfung nicht mehr ins Bett finde, obwohl du eigentlich nicht singen magst.
- mit mir frühmorgens über den Markt schlenderst um seltene Gewürze zu finden.
ans Meer fährst und meinen Monologen lauschst. - das Konzert des Lieblingspianisten im übernächsten Kuhdorf ausfindig machst.
- auch nach der siebten überdimensionierten Fahrradtour noch Lust auf sportliche Betätigung hast.
- doch noch einen Film findest, bei dem ich wach bleibe.
Gelüste
In Grund und Boden
Ich weiß ja, du kannst nichts dafür. Im Gegenteil, es ist ja Liebe. Auch der Arzt nicht und nicht die Eltern, der Typ am Telefon nicht und nicht die dusslige Apothekerin. Auch der zwinkernde Anwalt nicht und nicht die drei Mädels vor mir an der Kasse, nichtmal die Schwangeren in der S-Bahn und nicht die Frau S., die mir die Absage heute schickte. Der Ofen nicht, auch wenn er die Kekse verbrannte, der Dieb nicht, auch wenn das Fahrrad meines war, der April nicht, auch wenn das Wetter besser sein könnte.
M. nicht, denn warum auch nicht, eine Umarmung hat noch niemandem geschadet, und C. nicht, der versteht bestimmt noch nichtmal warum ich nicht kam. K. nicht, denn wer würde bei New York schon nein sagen. J. wahrscheinlich auch nicht, aber nein, ich möchte keinen Trost.
Und doch. Ich würde so gerne schreien, euch alle in Grund und Boden.