Dieser verflixte abgespreizte kleine Finger, der auch beim Zahnarzt nicht warm wird. Der Zahnarzt, der meine Frisur ungehalten und zu Recht beim ersten Anblick zu eloquent zu rügen weiß. Der Ruß, den er zwischen den Zähnen findet. Die Zahnhälse, die wund wie immer. Die Wunde, die einfach nicht heilen mag. Die Einfachheit, die mir nicht gelingt. Die Länge, die unendlich dehnbar scheint und den so dringend nötigen Raum für 2-3 Schritte mehr nimmt. Der Schritt, der so oft gedacht und doch nicht gegangen. Der Gang, der von morgen zu morgen schwerer wird. Die Schwere, die den Hunger auf Süßes zu Geniestreichen inspiriert. Das Genie, das ewige Kilometer entfernt weint ohne Trost akzeptieren zu können. Der Trost, der immer hinter der falschen Ecke lauert. Die Ecke, die sich schmerzhaft zwischen Hemd und Haut schiebt. Die Haut, die einmal zu oft zerkratzt, so dass mir sogar der Zahnarzt bereits Handcreme bereit hält. Die Creme, die nichtmal zentimeterdick aufgetragen die Scham zu verdecken vermag. Die Decke, die mich warmhält, zumindest nachts.
Gelüste
Atemübungen unter dem Einfluss von Gaatoodemylängli
Heute feierlich drei erste graue Haare mir ins Brusthaar geflochten mit rauchzarten Fingern. Ruß auf der Zunge die süßgelbe Pille nasser Schuhe geschluckt und – selten genug – mich an eines Rauchers Charme erfreut. In der Folge wider besseren Wissens dem Zimt in Dosen verfallen und innert weniger Minuten der Kryptia erneut auf den Leim gegangen. Vorsichtshalber den bereits persistierend flimmernden Vorhof gefliest und die Kammern vom Staub der zuvor etwas unvorsichtig ausrangierten Raucherlunge befreit.
Es wird Winter. Das Salz der Straßen zieht in Mantel- und Hosensäume. Backrohre werden zurückerobert. Risottoambitionen seiner Besitzer zum Trotz zeigt der Topf zwei Daumenbreit unter dem leidlich passenden Deckel Trauerränder, die jeder Drahtbürste schon von Ferne den Atem nehmen. Unter Wasser gesetzt und mit jahrelang geübten Emergency-Pumpen neue Puste zwischen die Stoppeln gedrängt, gelingt minutenweise die Schaffung eines würdigen Metallgefäßes.
Ob der Energieverschleuderung einen siebenzackigen Stern gehustet, der die Nacht für ein paar wertvolle Momente zurückweichen lässt und Raum schafft für ein paar Gedanke jenseits von Rezept(uren) und Zuzahlungsbefreiung. Noch ist nicht der 31.12. und das macht Mut – und rote Zahlen. Ich lechze nach Veränderung und würge Kümmelfetzen – auch das Backblech bedarf einem wirkungsmächtigen Großreinemachen. Erst aber: In den Unterbauch atmen, die Augen schließen, schlangenlinienformende Luftlassos imaginieren, Ausatmen.