Gelüste

Bauchraum

Goht es Schneggle, goht es Schneggle, es Bergle uf, Bergle uf, ähne wieder aabe, ähne wieder aabe, uf em Buuch, uf em Buuch….

Kleiner Exkurs zum Bauch dieses Blogs.

Bauchfrei bedeutet hier mitnichten „Bauch weg!“ – Im Gegenteil.
Bauchfrei lebt es sich in diesen Zeiten ja eher mühsam und das nicht zuletzt seit Frau Stella zur Exposition des eigenen Exemplars aufrief. Bäuche sind nicht nur identitätsstiftend, sie dienen auch der Kommunikation, insbesondere der Empathie sind sie zuträglich. Sagt man. Bauchgefühl sollte man haben, am besten weibliche Intuition. Entscheidungen wollen aus dem Bauch getroffen werden, Hunger kündigt sich durch bauchinternes Magengrummeln an und wie sinnentleert sind Bikiniunter- und Bikinioberteil ohne einen rechten Bauch dazwischen?
Dein Bauch zeigt Dir ob Du zu viel oder zu wenig gegessen hast, er beheimatet Deine Schmetterlinge im Falle plötzlicher Verliebtheit ebenso wie deine Wut im Falle akuter Aggressionen. Auch Deinem Nachwuchs bietet er ein Heim und Deinem eventuellen Bauchladen einen Halt. Dem müden Kopf des Liebsten ein Kissen, deinem Bauchnabel eine Umgebung. Bauchredner nutzen ihn als stimmbildenden Klangkörper, Bauchtänzerinnen als verführerisch schunkelnden Weichkörper. Er kann grummeln, zwicken, stören und betören und trotzdem geh ich hier bauchfrei zur Sache?! Jein.
Ich verzichte nicht auf Bauchlandungen, ich komme auch nicht ohne Bauchplatscher durchs Leben, und mitunter kriech ich bäuchlings unters Bett.
Vielleicht habe ich mich einfach noch nicht für einen Bauch entschieden?
Oft sind mir die Bäuche lästig, die ich da so mit mir rumschleppe. Da wünsch ich mir dann Buddhas bauchnabelzentrierte Glückseligkeit, den Bauch um sich ausbreitend.
Bis dahin durchwühl ich das Netz nach Bauchhöhlen, Bauch um Bauch nach hinterlistigen Magengruben abtastend.
Be prepared!

Gelüste

Mein Ego hat Hunger

Warum nur ist es so schwer dem Labyrinth der in den Hintergrund gedrängten Möglichkeiten ein paar Chancen abzuluchsen. Warum wacht das Leben so geizig über sie, als wären sie sein Besitz, als wären sie zu verhandelnde Ware?
Warum lassen sich Möglichkeiten so leicht verdrängen, so leicht vergessen. Auch die üblen, die ausgeführten, warum ist unser Gedächtnis so korrumpierbar, so feige letztendlich?
Verflucht, warum bist Du immer noch lieber Sündenbunker denn flatternder Windhauch von Nichts und der Sommerbrise getragen. – Ich setze den Fuß in die Luft und sie trägt.

Narben von Messern und Salz auf der gewölbten Brust machen aus der lasziven Geste, verletzliche Vertrautheit und aus dem vermutet erotischen Anschmiegen ein Schutzsuchen. Gewölbte Handinnenfläche wird zum Ja, zum Trost, wo kein Trost möglich ist. Wo kein Trost erwartet werden darf und doch existenziell wäre und ist. Narbenmeere bleiben zurück, legen sich vor das Gesicht, mischen sich unter die Tränen, machen Sinnlichkeit unmöglich und frieren. Segelweise, karawanenweise Wärme vermisst man, wenn der Wortbildungsprozess auf der Strecke bleibt.
Du müsstest ein Buch schreiben, um Dein Leben zu rechtfertigen. Vor dieser Gesellschaft aber vor allen Dingen vor Dir selbst. Dein Ego hat nicht nur Hunger, es ist essgestört, magersüchtig und leidet unter Fressattacken. Immer wieder verliert es die Kontrolle und gibt sich rauschlosen Beweihräucherungen hin, um dann am nächsten Morgen verkatert festzustellen, dass diese nichts als drogeninduziert waren. Und dann folgen Nächte und Tage des hungrigen Erwachens, des Gierens und Geierns nach Aufmerksamkeit, Annerkennung und Bestätigung. Erfolglos selbstverfreilich. Die Momente der Stärke der Lächerlichkeit preisgebend, in den Schmutz tretend. Rasend scheiternd, den Schweiß im Nacken lechzt und erniedrigt es sich. Tiefer und tiefer. Hintern hoch, Stirn auf die Bodenfliesen gepresst. Tiefer noch. Und da ist nichts, was das Ego der Realität näher brächte, nichts was ihm Menschenwürde einflöße, niemand der zarte Arme bereithielte. Tiefer noch. Aber nicht tief genug um eine tödliche Dosis darzustellen, tief genug nur, um Galle und Blut zu spucken, sich selbst in den Dreck zu treten und Staub zu Staub.

Und doch: Du bleibst diesem Gefühl auf der Spur, dass in einem der Restaurants dieser Welt eine sättigende Mahlzeit wartet: Bisher unentdeckte Möglichkeiten, verführerisch drapiert, ballaststoffreich und lecker.