Generika

Glück badet nackt

Das erste Mal sah ich sie knutschend am See. Ich drehte mich um, weil ich den Mann aus dem Augenwinkelmoment heraus meinte wiederzuerkennen. Ja, sie knutschten, ungeachtet der florierenden Joggerschar um sie herum. Umarmt, den lächelnden Blick in die schweißtriefende Seele des anderen vergraben, den Leib des andern haltend. Im Hintergrund sah ich die geparkten Räder stehen, auf einem Gepäckträger ist ein Rucksack festgezurrt.

Das zweite Mal joggten sie mir entgegen. Sie einen halben Schritt vor ihm, er, den Kopf zu ihr geneigt, lächelnd, seeseitig folgend. Sie liefen nicht synchron, aber eingespielt, nicht angestrengt, sondern geradezu lustvoll. Er mit dickwandiger Brille, sie mit wippendem Zopf. Er mit kräftigen Waden gesegnet, sie in einem Shirt, das bestimmt mal rosa war. Erst als ich sie wiedererkenne, ihn wiedererkenne als den besten Masseur meiner Reha-Geschichte, weiß ich, dass er die Brille mitnichten als Accessoire trägt. Dass der halbe Schritt seiner nahezuen Blindheit geschuldet ist. Dass er Lebensgier für eine ganze Armada Scheintoter in sich trägt.

Beim dritten Mal höre ich sie. Den Blick den Ohren hinterhertragend sehe ich sie im See lachen, die tropfnassen Körper in der Abendsonne schütteln, den Sonnenuntergang als Backgroundchor, wieder nur Augen für den anderen. Fast wiederwillig laufe ich eine weitere Runde, um sie erneut zu passieren, als sie gerade ihre Kleider aus dem im Unterholz versteckten Rucksack hervorholen.

Generika

Fidibus Neindankeschön

Nicht mehr. Die Haut nicht und auch der Mut ist aus. Das Wozu bemängelt Freunde, die Lust steht mal wieder mit dem Rücken zur Wand. Schmerz lass doch mal locker, für eine Viertelstunde wenigstens. Das Herz ist ihr in die Galle gerutscht, vor Bitterkeit butterweich, faserig gekaut. Lechze nach Visionen, fordere Genuss, mit Gebrüll, und ernte literweise Hohn. Tote tragen vielleicht keine Tangas, aber das Lamm in mir geht aufrecht, trägt Minipli und Crocotäschchen. Morgen für Morgen und noch am Wochenende und am Montag danach.

Jeder Sonnenaufgang wird mit einer Wüste berechnet, innenohrig wie augenwinklig abgerechnet. Gesteckt in einen Mehrzweck-Körper schwankt die Seele zwischen Schienbein und Schulterblatt, feiert Hüttenzauber statt Feierabend, argwöhnt der Muße und huldigt stattdessen hingebungsvoll einem Mann, der sich Stahlkorsette zwischen die Nieren gepflanzt zu haben scheint, Sonne nur auf dem großen Zehennagel duldet und Schokoladenshakes misstraut.

Lass mich dein Sahnehäubchen sein, flüstert die Ajurveda-Massage nichtsdestotrotz, flirtet den Mund voll warmem Sesamöl und ins sonnengebleichte Haar kokett einen Sonnenuntergang nebst einsamem Strand gesteckt. Eine halbe Stunde wurde ihr gegönnt, dann war alles Sturmflut und Drang und Mobilfunkgetöse. Der Bauch macht seitdem einen Appetit geltend, der auf keine Kuhaut, nichteinmal auf eine Elefantenhaut passt, nur Gier und Glitter und nicht einen Teelöffel Substanz. Reset, please!