Gerda

Er kam, sah und blieb

Eine ganze Nacht lang und zwei, drei, vier, fünf Pulswärmer darüber hinaus. Die Sonne schien, als er das Rad aus dem Keller holend mit Spinnweben kämpfte. Auf dem Weg zu ihr blieb die Musik aus, was ihn grämte, aber empfänglich machte für das Kompliment in Form einer 67jährigen mit weißem Haar und gelbem Pulli. Was er sich denn dabei denke, jetzt ihren Weg zu kreuzen, wo es doch viel zu spät sei. Schließlich wie alt sei er, 28, 29, also bitte, viel zu spät und dann so attraktiv und mitten auf ihrem Weg – die Welt sei empörend ungerecht! Und überhaupt viel zu spät, da stimme er doch zu, und wie er dazu käme.

Er habe sich beeilt, fiel ihm als erstes aus dem Mund, und ehe er sich der eigenen Schlagfertigkeit besinnen konnte, war das Rad schon weitergerollt, auf der Suche nach der nächsten roten Ampel rein in die grüne Scherbe, die die zuvor im Schlauch zusammengepferchte Luft zu Atem kommen, ins Sonnenlicht blinzeln ließ. Die restlichen Meter also schob er, das Haupt unter Baumkronen dahin tragend, den Lenker fest in der rechten Hand. Schließlich galt es, auch nächste Nacht zu bleiben, die ganze Woche, den ganzen Sommer und die ersten drei Tage vom Herbst.

Gerda

Kopfüber unter Wasser

„Von einem merkwürdigen See in der oberen Markgrafschaft Baden“ sprach er. 1782. Man war nur mäßig erstaunt.

Von einer gelbblättrigen Blume nahe des Ufers sprach er, deren Blüte nur auf Bildern sichtbar. Man glaubte ihm blind.

Nur Gerda ging und pflückte den Schnee vom letzten Sommer von der Dachterrasse, bevor sie lächelte.
Selten habe ich so gefroren.