Gestern

Wie machen Sie das mit dem Glück?

Meine Füße sind mit den Jahren kleiner geworden, das hätte ich nie für möglich gehalten. Mittlerweile mag ich sie richtig gerne. Ganz im Gegenteil zu der ppt, an der ich gerade arbeite. Warum sind Sonntage in diesem Jahr so ausufernd für Liegengebliebenes gut? Warum folgt auf den Sonntagnachmittag immer diese Trauer, die bis zum Dienstag mindestens anhält?

“Du hast nur ein Paar Füße. Wenn die Schuhe dir weh tun, musst du sie wechseln. Die Füße, die kann man nicht wechseln”, sagt Monsieur Ibrahim im Film, den ich gerade aus dem einen Augenwinkel verfolge und ich kraule mein Tasthaar, das sich auch nicht wechseln lässt. Nur Schmerzen macht. Wird ein eigentlich lebloses Tasthaar berührt, biegt es sich und bewegt das Blut in der Kapsel zur Seite.

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Gestern viel über Träume gesprochen, dringend nötige Sprachfetzen aus der Kehle gegurgelt und in Wortpakete geschnürt, die das Gegenüber hoffentlich auch ermunterten. Nicht nur zermalmten. Mich in den eigenen Träumen sehr fremd gefühlt und das Leben der Tage um die Nächte mit diesen Träumen am liebsten gleich mit in die Wortpakete geschnürt. Die Langeweile und den Ekel, den Neid und die Ungeduld. Vor der eigenen Wucht in die Knie gegangen, die Arbeit auf heute verschoben, den Brunch abgesagt und der Wehmut nicht den nötigen aber doch mehr Raum als wochentags gegeben.

Ausgiebig aus dem Fenster geschaut und auch die eigenen Kurven einer Musterung unterzogen. Sorgen entdeckt, die sich so tief in die Poren gebohrt hatten, dass längst Tasthaare darin wurzeln. Lebenslos und doch mit der Kraft meinem Dasein tagtägliche Schmerzen zuzufügen. Lust bekommen auf Unbekümmertheit, auf einen Sommer voller Augenschmaus und Verführung. Voller Komplimente, voller Aufbrüche und am liebsten vollgepackt mit wollüstig räkelndem Glück: Vom kleinen Zeh übers Knie bis in den trotzigen Kopf.

Gestern

Das Unmögliche macht Angst

Was so ein Abend doch ausmacht mit einer Frau, die das Leben führt, das mir unmöglich. Die ihre schwere Krankheit durchlitten und schließlich überwunden hat. Die sich damit angefreundet hat, nie Mutter, dafür großzügige Tante zu sein. Die einen Job gefunden hat, der sie nicht nur ausfüllt und herausfordert, sondern auch weiterbringt und mit ausreichend Kleingeld in den Taschen zurücklässt. Der sie und ihre Fähigkeiten anerkennt. Deren Alltag sich in unterschiedlichen Ländern, ja Kontinenten abspielt und deren nicht-deutscher Mann nicht nur sie auf Händen trägt, sondern zugleich mit Witz und weltläufigem Charme seiner überbordenden und international geschätzten Kreativiät regelmäßig die Stirn bietet.

Wo Geld nicht mehr diese zehrende alltägliche Rolle spielt, sondern verfügbares Mittel zum Zweck. Die mit einer Selbstverständlichkeit sagen kann “Müssen muss ich gar nichts”. Die ebenso relaxed wie kindlich begeistert ihre Lieblingsantillen aufzählt, als ernst gemeinte Empfehlung für den nächsten Jahresendurlaub. Die mit einer Contenance zu spät kommt, wo immer sie aufschlägt sichtbar stilvoll gekleidet, nie ausgelaugt, nie mit Augenringen, die als Zeichen von Übermüdung und Sorgendichte alle Make-Up-Versuche durchdringen. Mit sich und der Welt im Reinen und das mit einer Absolutheit, die auch das 4. Glas roten Weins nicht zu stürzen vermag.

Was so ein Abend doch ausmacht. Was er zurücklässt. Was er unmöglich macht.