Leise Vergnügungen

Leise Vergnügungen | XXII

Toshihiko Mitsuya, Schlossgut Schwante | © Anne Seubert

# Dem Leben heimlich auf die Schliche kommen
# Die Augen schließen und der Erde beim Umdrehen zuhören
# In der letzten Reihe zwischen Konsonanten stumm Vokale am Gaumen spazieren gehen lassen, AEIOU
# Die eigenen Fingerspitzen eine Kontaktanzeige aufgeben lassen, Berührbare suchen
# Toshihiko Mitsuyas Silberblumen beim Aufblühen beobachten
# Der Hitze bei ihrem Weg unter die Haut nachspüren, dem Glühen einzelner Poren
# Den Nacken bis zum Haaransatz für Momente auf Eis legen
# Dem Himmel eine Wolke und ihren Schatten abtrotzen
# Inseln entwerfen

Leise Vergnügungen

Leise Vergnügungen XXI | Wien Edition

Palais Lichtenstein | Wien 2022 | © Anne Seubert

# Den Tag auf dem Markt beginnen und dem Schwärmen Raum geben.
# Die Mélange dem Cappuccino vorziehen und dabei jeglicher Bitternis Adieu sagen.
# Sich in die Donau-Arme schmiegen, die Gedanken ostwärts treiben und bis nach Bratislava (und zurück) segeln lassen.
# Dem Licht vertrauen und den Schatten ausweichend durch Gassen und Gräben taumeln.
# Den Ring um den Finger wickeln und die Bim Sturm klingeln lassen.
# Sich (und alle Pläne) für ein Wochenende ins Grüne verlegen und die Stadt aus dem Augenwinkel genießen.
# Nicht einschüchtern lassen, sondern Würstelstand für Würstelstand der Buckligen trotzen.
# Soda-Zitron in voller Größe.
# Eis ungeniert Schelato nennen und im Stanitzel genießen.
# Im Kaffeehaus den Ober zum lächeln bringen.
# Im Museumsviertel versacken, das Glas um ein Achtel bereichern und halbe/halbe machen.:
# Ein Wien stehen lassen und eins heimlich in die Hosentasche versenken.

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