Geliebte

Die Welt zuhause im Liebesgedicht

Wabi Sabi | Anne Seubert

Auf alten Karten liegt das Zarte direkt neben dem Großen, das Fragile neben dem Mächtigen, das Unglaubliche neben dem heimlich möglich gemachten und obenauf ein Zettel, der deinen Namen auf Handinnenflächen trägt.

Ja, ich duze dich, Welt, die du mir fremd wie selten. Ich halte fest an unserer Liebe, die du gerade tagtäglich auf’s Spiel setzt, die Kirschblüten demonstrativ zwischen den Zähnen. Verflucht noch eins, tu nicht so unschuldig! Denn ja, das hilft über den Sonntags-Blues hindurch, aber es ist. Nicht. Genug.

Deine Springerstiefel seien nur ein stummer Schrei nach Liebe, singen zwei, die sich einst Ärzte nannten, und das mag für Nazis gelten, aber du, Welt, du wirst geliebt und gelobt und verhältst dich trotzdem wie ein abservierter Liebhaber oder stumpf über alle Wahrscheinlichkeiten hinweg pöbelnder Narzisst.

Nein, ich gedenke nicht, auf deine Erpressungsversuche einzugehen. I love you, aber und ich verlange Haltung, einen Boden und wenn dazu dein Herz öfter mal statt deiner Zähne durch die Waschstrasse muss, auch das.

Gelage

Nur aufgestanden wegen dir

Nur aufgestanden wegen dir

Ich döse noch,
da bringen sich die Gedanken schon in Stellung,
tirilieren mit den Amseln um die Wette,
die ich eingegangen war,
noch ehe der Einsatz neben mir lag.

Ich frage mich noch nach dem Ziel,
da weiss der Weg bereits, wie er hinkommt,
und die Antworten breiten die Arme aus, bereit, Räuberleiter zu spielen, die es mit jeder Mauer aufnimmt.

Die Mauer steht noch,
da hat dein Herz längst Anlauf genommen
und schwimmt, statt anzuklopfen und mich zu wecken, weit in meinen Traum hinein.