Geliebte

Träum schön, Sweetie!

Morning after

Heute beerdige ich meine Lieblingsangst, Waldfriedhof, dritte Reihe links und den Frust packe ich bei der Gelegenheit heimlich mit ins Grab, Zugabe kann ich! Das Kirschkernkissen im Nacken sorgt für entspannte Rückenlage, convenience siegt immer und ich möchte, dass sie gut und tief schläft und gar nicht erst auf die Idee kommt, sich nochmal umzudrehen!

Sie hat gute Dienste geleistet, das treue Stück, fürsorglich bis zur Selbstaufgabe, hat sie sich oft vordergründig im Hintergrund gehalten und war gleichzeitig nie um einen großen Auftritt verlegen. Dramaqueen ihr zweiter Vorname! Hatte sie mir in der Vergangenheit nachhaltig die Stimme abgedreht, sing ich ihr heute ein Ständchen mit Blick auf ihre gefalteten Händchen, und die nehm ich ihr nicht ab. Ich sehe die dreckigen Fingernägel, die Hornhaut, und die durchgedrückten Knie und setze auf No tears, no Fears!

Heute beerdige ich meine Lieblingsangst. Ich habe ihr Trockenblumen mitgebracht und künstliche Tränen, der Sarg steht noch offen, aber die Augen sind zu, die Lippen verschlossen, keine Widerrede zu erwarten. Sie hat lange durchgehalten, wusste Konkurrenten stets galant auszubooten und neue Projekte an Land zu ziehen. Die gute Miene war ihre Sache nicht, Spiel, Spass und Feierabend ließen sie kalt, bis der Schweiß Prozente gab. Aber ihren vermaledeiten Purpose, den hatte sie stets bar auf der Hand.

Träum schön, Sweetie, ich wünsche dir Ruhe in Fetzen und ein langes Leben auf der anderen Seite, dont look back, hier vermissen wir dich nicht!

Gelage

Halbierte Deadline, doppelte Punktlandung

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man möchte die seriennummer halbieren und die deadline walken, deutsch ausgesprochen, und so richtig mit dem eigenen körpergewicht in vorleistung gehend, nicht aus den ellbogen heraus. man möchte dem himmel in den stimmbruch verhelfen und das rauchen am liebsten gleich wieder abgewöhnen, noch ehe die wolken mit nikotinfarbenen rocksäumen aufwarten. man möchte auch in der letzten reihe niederknien, das halleluja auf balsamierten lippen offenbarend, das schilf halm für halm im kahlrasierten nacken touchierend.

man möchte das amen aus der kirche locken und den fels in die brandung tunken, kopfüber, eisberg hin oder her. man möchte den kopf in die luft gucken lassen und zwar so richtig raus, bis es kalt wird hinter den ohren oder wieder grün, weil moos ansetzt – natürlich nur auf der windabgewendeten seite. man möchte kaschmir tragen und merino und das kalte nur als farbton, nicht aber auf der haut sich niederlassen mit diesem besitzanspruch, der ihm nicht zusteht qua körpertemperatur.

man möchte die stille in kisten packen, wie den wein, der im keller reift, links zwischen kartoffeln und äpfeln in kisten lagern, in müßigem braun. man möchte die schritte weit werden lassen und knirschen, auf dass der horizont wenigstens wissen könnte, dass da jemand auf ihn zukommt, wenn er es denn wissen möchte, statt mit dem waldrand zu flirten und dem ufer nachhilfe im linienziehen zu geben. man möchte in sich halten, was sich nicht aushalten lässt, nur teilen.