Gedanken

Poetischer Impuls I | Vom Wort zur Tat

“Wünschen Sie sich auch zuweilen einen Wort-Discounter, einen Wort-Supermarkt, in dem die Worte einzeln zum Mitnehmen auf Regalen ausgebreitet liegen, verführerisch verpackt, versehen mit detaillierten Inhaltsangaben, mit fairen Preisen ausgezeichnet? Nach welchen würden Sie greifen?”

Wir erinnern uns: Der grossartige Dirk Böttcher  von der ag text und ich hatten drei Wegstrecken ausgekundschaftet, wortlauten Proviant eingepackt und der lokalen Sprache mächtige Reiseführer*innen eingeladen, uns auf unseren Etappen zu begleiten. Wir wollten es wissen: Wie kommt man vom Wort zur Tat? Und wie findet man wieder zurück? Wie beschreibt man, was man vorhat, den Weg der zum Ziel führt, das Ziel und wie kommt man – literally – ins Tun? Welche Worte haben Tatkraft und wie werden wir ihrer habhaft?

Zu jeder der drei Wegstrecken im Rahmen des ersten Bauwerks | Vom Wort zur Tat gab es einen Poetischer Auftakt-Impuls von mir. Der erste war dieser hier:

Feuer gefangen? Zu den Poetischen Impulsen II und III !

Gegenwart

Flieder, Farbe, Vogel

Seht die Vögel unter dem Himmel an: Sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater ernährt sie doch.

Matthäus, 6.26

 

Im Auge den Sturm,
wackelt die See, die du im Magen
übers Land trägst: Flying doctor service

Meine Knie liegen blank
du siehst sie zitternd
bei jedem Schritt dir unser Ja darbietend
wie einen Schatz auf Partnersuche

Am Land blüht der Flieder
seine Äste in die Knie
samt und sonders Moos bloß legend und
gelb aufschäumend in den Himmel stiebend:

Asche auf mein Haupt, fliederfarbener Vogel, der ich dir das Fliegen nicht zugetraut:
Nimm Abstand, Sturm und vergehe!