Gelage

Snooze statt Aufsteh’n

guten Morgen | © Anne Seubert

Der Tod dreht sich nochmal um,
Snooze statt Aufsteh’n,
und wünscht sich den Kaffee ans Bett.

Wenn überhaupt dann später!
Am Viertel nach erkenne man den Akademiker,
der er noch nicht ist, aber das Potenzial ist deutlich erkennbar.

Also bitte! Wecker ist so was von 80iger
erfährt das Kopfkissen und ich schmunzele
über unsere Artverwandtheit.

Bei der Geburt getrennt, wäre zuviel verlangt,
aber immerhin steht sein Name zwar an meiner Tür,
allerdings nur im Kleingedruckten und nur ich erkenne seine Falten in meinem Gesicht, wenn ich morgens Schiffbruch erleide, das Weite suche und das Weiche finde: Dort wo die Tränen ankern, wenn zu Hause, und die Wangen das Rouge auflegen.

Jetzt aber, die Pflicht ruft, der Nacken macht sich bereit, zu tragen, was die Stunde schlägt,
die Weite packt ein und der Tod streckt seine Fühler aus: Ein guter Tag zum Sterben?

Ein guter Tag sieht anders aus, aber mit mir kann man es ja machen und auch diesem Tag die Chance geben, ein Ende zu vollbringen, ehe der Anfang Wind davon bekommt und heimlich loslegt.

Man soll den Tod nicht vor dem Leben loben,
aber wenn ich die beiden schonmal da habe, lasst mich den Kuchen backen, die Fenster öffnen und der langen Bank einen Vogel zeigen.

Der Tod dreht sich nochmal um,
Snooze statt Aufstehn,
und bekommt den Kaffee ans Bett.

Gegenwart

Ein Herz aus Zimt

Äpfelchen | © Anne Seubert

Du reichst das Unausgesprochene weiter wie einen leergewordenen Krug. Du kommst aus der der Sprachlosigkeit einer getürmten Vergangenheit, einer Kindheit auf der Flucht, einem Vater aus Versehen. Deine Wahrheit ist eine von der fragilen Sorte, die kaum ausgesprochen schon wieder auf dem Rückzug, Gleis 9.

Dein Herz schlägt zwei Takte vor und einen zurück, wie ein Hund, der sein Herrchen aus seiner Verkrustung locken möchte, runter vom Balkon: Komm spielen, leben, Leichen schmausen, eine Runde Zucker und Zimt ausgeben! Bis zum Tod lass mich dich tanzen machen!

Deine Furchtlosigkeit wacht als Fragezeichen auf: Welcher Feind lag heute in unserem Bett? Und atmet dabei dreimal so viel ein wie aus, hyper, sagen sie und ahnen einen nervösen Charakter. Dabei sagt jeder Zug sein eigenes Gedicht auf, auf Kante gereimt zuweilen, andere so zart wie unausweichlich.

Dein Kinn erkennt an, indem es verzeiht und fällt aus der Zeit, wie die Antwort auf sich warten lässt. Es war nie genug da und es war immer zu viel. Ein Spielball der Assoziationen die Zeit, die dir Mutter und Vater zugleich, ihre Stunden aufs Auge drückte, auch wenn du längst blind und der Krug gefüllt.