Gegenwart

Ein Herz aus Zimt

Äpfelchen | © Anne Seubert

Du reichst das Unausgesprochene weiter wie einen leergewordenen Krug. Du kommst aus der der Sprachlosigkeit einer getürmten Vergangenheit, einer Kindheit auf der Flucht, einem Vater aus Versehen. Deine Wahrheit ist eine von der fragilen Sorte, die kaum ausgesprochen schon wieder auf dem Rückzug, Gleis 9.

Dein Herz schlägt zwei Takte vor und einen zurück, wie ein Hund, der sein Herrchen aus seiner Verkrustung locken möchte, runter vom Balkon: Komm spielen, leben, Leichen schmausen, eine Runde Zucker und Zimt ausgeben! Bis zum Tod lass mich dich tanzen machen!

Deine Furchtlosigkeit wacht als Fragezeichen auf: Welcher Feind lag heute in unserem Bett? Und atmet dabei dreimal so viel ein wie aus, hyper, sagen sie und ahnen einen nervösen Charakter. Dabei sagt jeder Zug sein eigenes Gedicht auf, auf Kante gereimt zuweilen, andere so zart wie unausweichlich.

Dein Kinn erkennt an, indem es verzeiht und fällt aus der Zeit, wie die Antwort auf sich warten lässt. Es war nie genug da und es war immer zu viel. Ein Spielball der Assoziationen die Zeit, die dir Mutter und Vater zugleich, ihre Stunden aufs Auge drückte, auch wenn du längst blind und der Krug gefüllt.

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