Gegenwart

Satz, Zeichen

Wonne | Anne Seubert

in einer muschel geboren
perlst du mir von der nackten schulter,  schalk,
blatt für blatt pflanzend unter einen punkt,der das komma als leib führt.

mein leib dir schatten spendend,
mein atem dir wind,
in dessen hose mein herz die segel setzt: immer der wonne nach!

den nassen pelz mir
wasser schlachtend und nacktheit um den bloßen schädel wringend ist drei ave maria später die aussage ad absurdum geführt und das amen aus der kirche, for ever und gloria:
in allem was nass und damit fruchtbar
bist du mir höhle und heim
traum und ufer
moor und schusterjunges.

dichten heisst auftauchen,
heisst die sohlen wetzen und das hirn in ausgang schicken bis der zapfenstreich die nieten von den losen trennt, die herben von den zarten und die frühaufsteher von den snooze-drückern: morgen ist auch noch ein tag,  aber sas wohl kommt im konjunktiv und die spesen werden auf links getragen,  auf dass der kragen weiss und das knopfloch sichtbar bleibt.

absatz, kehrt!

Gelage

wegelagerung

Fensterln, Berlin, Studio B. Dietl | Anne Seubert

dem
weg lassen
was ist
das ziel
ausser acht

dein lächeln schwimmt
weit hinaus
meine haut bestürmt dich
weitaus schüchterner
strand fassend

dem los
die ankunft vorziehen
unter wasser
ohne viel wind
der luft leuchtende augen
blau machen

dein rücken ist mir
leinen, wand und motiv
zu gleichen teilen
möchte ich dich nicht
gegen geld in den schatten stellen

sehr selten
braucht das gedicht mehr
als eine seite,
raffst du deine gedanken
schere, stein, papier später in ein bild:
eine technik für sich.