Gelüste

Da wo mein Arm die Biege macht

Party-Express, Calau | © Anne Seubert

Überland führst du deinen Atem in eine Provinz jenseits der Achelhöhlen, da wo mein Arm die Biege macht und nahe des Schulterblattes versandet. Versandet und übergeht in eine Rückenlandschaft, die Narben trägt und Gepäck über die Gleise, die mehr Abstell- als Ankunft, mehr Plattform als Weg. Wobei der über Felder führt, die gerade im Abendlicht, das du für deine Ankunft gewählt hast, Schatten zeigen, von denen keiner wusste, hinter denen man aber guten Gewissens Wurfkünstler vermuten darf und Kulissen, deren großer Auftritt erst noch kommt. Kommen mag, wenn du schon mal da bist und deine Fingerspitzen, die alles andere als spitz, die rund und warm und deinem Atem die Vorhut auf seinem Weg zum Grat, der sich ahnen lässt, wo es tiefer wird und Mitte.

Blatt für Blatt wendest du deine Geduld in Spucke und Sprache, der du gerade erst mächtig wirst, du der du das Land als Sprachloser, als Wegsuchender, als Tastender betratst und jetzt mitreden möchtest, was sag ich, mitsingen. Das A und O lernst du schnell, die Konsonanten liegen dir auch, nur das Betonen und Einatmen der Laute, die zwischen Rauschen und Rascheln, Flüstern und Fluten liegen, übst und heimlich mehrmals auf dem Weg zwischen Nacken und Schultergürtel, im Windschatten der Rotatorenmanschette.

Wieviele Knoten fragt die Eile noch, da lächelst du schon in der Gewissheit der Ankunft, als noch kein Land in Sicht, aber ein Stück Haut so groß wie ein Flugplatz und mindestens ebenso viele Landebahnen. Bahnenschwimmen mochtest du immer schon und jetzt mit dem Himmel als Abgrund über dir, legst du das Ohr nur noch tiefer in diese Haut, die da liegt und atmet und sonst eigentlich nicht viel mehr als dir Obdach ist oder besser Grund und Boden für deine Reise, die du angetreten bist ohne zu ahnen, dass diese Reise ein See, in den du tauchen möchtest, wieder und wieder und an den Lenden auftauchen und unter den Achseln, nur um wieder Luft zu holen für den nächsten Gang, der hier in einem Menü serviert wird, das von der Weinbegleitung nicht weiter entfernt sein könnte, als du von einer Wiederkehr.

Gelage

Geschätzt von drei Monarchen

Dresscode | © Anne Seubert

King of Prenzlauerberg, City

Du bist mir Eisberg und Spitzenkandidat,
Du stellst mir deine Helden vor und sprichst von Mut, der mich klein macht,
Du vernascht meine Zärtlichkeiten zum Frühstück,
Du schweigst wenn der Kellner was von Weinbegleitung säuselt während  ich die Hummeln in meinem Hintern zu zähmen oder doch wenigsten zu zählen suche.

“Time to switch from Rose to a Syrah,” 

Geniess mich nicht ohne Weinbegleitung, möchte ich der Speisekarte soufflieren, die er dir reicht, ich bin kein all you can eat, ich bin auch nicht à la carte zu haben, aber du trinkst Bier heute, weil du weisst wie gern ich Lippen küsse, die das Herbe noch in sich tragen.

“Nachtisch?”

Eher schon Atlaskorrektur, verrät mein Blick und sucht das Weite, das den Himmel neidisch und das Meer alt aussehen macht. Wie weit möchtest du gehen, will deine Hand wissen, als sie mir den leichten Schal um die bloßen Schultern legt, es ist kühl geworden, und du frierst doch so leicht.

“Nein, ich geh heute nicht mehr tanzen!”

Ich geh heute überhaupt nicht mehr zu Fuß, nicht über Los, nicht um die Ecke und schon gar nicht auf die Fläche, die dem Tanz gewidmet ist, den ich dir ohne mit der Wimper zu zucken geschenkt hätte, aber heute ist Schicht im Schacht, die Maschine hat den Menschen überholt, und das ohne aus der Kurve zu fallen oder auch nur den Boden mit dem Knie zu berühren. Dieses Knie, das sonst oft den Ton angibt und gerne mal Kante zeigt, nackt wie Gott es schuf.