Gemäuer

Zeit des Kragenknopflochs

Der Atem zögerlich, die Beine Perserteppichen gleich ein gewebtes Mosaik eingefärbter Wollfäden: ins Stocken geraten, in die Fläche gedrungen, aller Dimension verlustig gegangen, der nächste Schritt einer der unmöglich. Der rechte Fuß dem linken fremd, zwischen ihnen eine Sturmflut brandend, kein Ufer in Sicht. Schenkel, die zittern statt halten, Knie, die ihrer Rolle fern zu Schildern mutieren, durchgedrückt bis an die Wand, die mehr Vermutung denn Architektur, und eine Hüfte, die alle Schlösser schließt, seien sie auf Sand, Stein oder Mutterkuchen gebaut.

Der Schlaf einer, der des Träumens überdrüssig, einer, der fragt bevor er das Fenster öffnet auch wenn ihm bei geschlossener Tür die Erschöpfung ins Gesicht geschrieben scheint: Augöffnungen als Zeugen eines Kopfes, dessen Leere hallt. Dessen Ufer brackiges Wasser zur Schau stellen um die Trockenheit zu vertuschen: Notdurft Smalltalk.

Der Blick einer, der bei Ankunft heilt. Doch Heilung etwas für Turteltauben, erwiderst du mit Blick auf das Kopfsteinpflaster, öffnest deine Wunde und legst die Mähne aufs Schafott: Aufgeben wieder als Aufgabe wahrnehmen, den Seitenstrang bloßlegend, den Nacken offen tragend: Es ist die Zeit des Kragenknopflochs, das die Nelke trägt auch und gerade wenn der Knopf längst verloren: Die Revolution am Revers und das Revers an der Reissleine.

Gegenwart

Von einem der auszog, sich fallen zu lassen

Cafe Riter, Wien | ©  Ånne Seubert

Von einem der Wasser wusch und mir den Kopf, den, dem die Stille Spalier und des Burgtheater bei. Von einem der den Rundhals aus und das Brot aufschnitt, in dicken Scheiben, zu nähren wen immer auch der Hunger heimsuchte. Von einem der wach blieb, als die Nacht zu Besuch kam, und sitzen, als die Stille sich erhob. Von einem der leise blieb, als es laut wurde.

Möchte ich erzählen.

Von einem der Steine in den Weg legte, einen nach dem anderen, bis die Brücke zum Horizont begehbar und der die Türen offen baute, eine Klinke in jeder Hand. Von einem der das Zittern zärtlich stimmte und der Frage Mut machte, auch noch die nächste Straße zu überqueren, ihr einen Zebrastreifen unters Revers heftend. Von einem der lächelte, als der Sturm aufzog und die Böen in Liedzeilen goß.

Möchte ich staunen machen.

Von einem dem die Welt zu klein wurde und das Kleine unerreichbar groß. Von einem der dem Winter eine Mütze kaufte und die Augen schloß als die Schönheit anklopfte, weil er ihrer nur dann gewahr werden und auch die Verstecke weit unter seine Haut aufschließen konnte. Von einem der die Mähne der Löwin zu seinem Garten machte, in die er seine Finger bergen konnte, wann immer sie ihm klamm.

Möchte ich die Telefonnummer haben.