Gemäuer

Nachtschichten, getragen unter einem, der sich Tag nennt

Nachtschicht Berlin | © Anne Seubert

“Trying to carry the weight of the world on your shoulders is hard. It hardens us.
We become aggressive, impatient – pushing, manipulating, charging forward…
Our hearts soften as we feel the world carrying us.”
Jason Garner

Und dann sagst du nichts und ich nicht mehr viel. Und der Rest? Ist Geschichte. Storia. Im Steinbruch geboren, im Dom versenkt. Kurz vor Mitternacht, als das Stadttor beinahe schon geschlossen hatte, waren wir die Treppen nochmal hinaufgestiegen, waren durch die nächtlichen Gassen hin zu einem Dom spaziert, der da mehr Fassade als Raum bot, Projektionsfläche galore. Du hast von den Seitenschiffen erzählt, die als Hauptschiffe ins Wasser gelassen. Ich berührte den grünen Marmor, der, zwar deutlich in der Minderheit der mächtigen Mauern, sichtbar, vom Mond in ein verführerisches Incognito getaucht.

Können Steine berührt werden wollen? Dieser ja. Vor und nachdem er baden ging und dabei deiner Hand gewahr wurde. Und die Geschichte hat natürlich einen Prolog , in dem ein Spannungsbogen eröffnet und auch gesprochen wurde, in dem das Gute und das Böse definiert, Gärten begrünt und Stundengläser aufgestellt und großzügig gefüllt wurden. Kompassnadeln wurden gesetzt., fünf Erden wurden aufgemacht und wieder verschlossen, das Meer in Augenschein genommen, ein Strand und ein Hafen ausgemacht, und dann ließen wir doch Landschaften Landschaften sein und erhoben uns über die Siesta. Brot und Wein galt es zu kapern, Serpentinen zu intonieren.

Dankbar, unsere Augen reisen zu lassen, während unsere Füße im Hier und Jetzt Halt suchen. Ein Verbündeter ist der Nachmittag uns in seiner Trägheit, in seiner Unverbindlichkeit auch: Bin ich noch Tag oder Abend schon? Gilt das noch als Arbeitszeit oder fällt die Schranke heute pünktlich? Und wann beginnt es eigentlich, dieses Wochenende? So konnten wir Boden machen und ein Plätzchen sichern, das uns Heimat auf Zeit, bis zur Dunkelheit mindestens und gegebenenfalls auch darüber hinaus. Wir würden den Proviant teilen, die Stille und auch den Atem, versprechen wir uns, bevor wir den Abstieg wagten, um der Realität zumindest auf den nächsten Kapiteln eine Chance zu geben. Es werde Fisch geben, hieß es, und die Bar für danach war auch schon auserkoren, als wir endlich weich wurden und der Geschichte ihren Lauf ließen.

Allgemein

Mit dem Rücken zur Welt

Introvert

Das Haar, das du links hinterm Ohr zu bändigen suchst.
Den Duft, den du an der langen Leine führst.
Das Zucken, das dir aus der Hand gleitet.
Die Fingerkuppe, die dir vorauseilt.

Die Wärme, die deine Haut preisgibt.
Den Faden, den du zwischen deine Worte spinnst.
Die Blicke, die du einflichst.
Den Morgen, den du in Ehren hälst.

Die Frage, die du gegen den Wind stellst.
Den Atem, dem du den Weg unter meine Achsel zeigst.
Die Stille, die du auf Händen trägst.

Das Uns, das du mir gegenübersetzt.
Den Kellner, den du zum Komplizen machst.
Das Wasser, das uns das Fließen leert.
Den Stein, der dir sein Alter verrät, aber nicht sein Geschlecht.