Gegenwart

Ohne Schwimmflügelchen!

Engel mit Harfe | © Ånne Seubert

Manches lässt du dir bringen, anderes träumst du dir. Die Wirklichkeit aber landet im Telemark in einer Anmut, die uns alle Gattungsbestimmungen ad hoc ad Acta legen lässt. Der Geist bleibt anwesend, auch als der Regen applaudierend einsetzt, alle nichterwünschten Gäste ebenso nonverbal wie wirkungsstark zum Gehen auffordernd. Der Punkt ist auf die Sekunde pünktlich und als wir das Weite suchen finden wir eine Nähe, die uns zwar nicht geheuer aber umso vertrauter.

Manches heisst du willkommen, manches heisst du mit zweitem Vornamen eher unabsichtlich: wie ich. Als wir uns im Spiegel entdeckten, war dein Muttermal eines, das ich küssen und meines eines, das du unterm Bademantel tragen wolltest, nahe des Zwerchfells, wie einen heimlichen, aber faulen Liebhaber: stets in Kraulnähe, immer zu küssen, nie zwischen zwei Tönen verlegen. Ich hielt dir das lange zum Vorwurf, bis ich den Vorteil erkannte und unsere Dates direkt mit ihm hinter dem Rücken unseres Terminkalenders vereinbarte.

Manches trägst du mit Stolz, anderes mit verloren geglaubter Fassung. Deine Schönheit aber wie einen Ring, den man dir schenkte, als du in tiefer Trauer, daher unerkannt adoptiertest und immer erst bei Fremdwahrnehmung gewahr wirst. Dann aber mit Verve und drei Stufen auf einmal und erst beim Klingeln wieder Luft holend, mit meiner Verlegenheit um die Wette strahlend! Deine Stille trägst du im Blick wie ein Meer, das sich dem Sturm zu Füßen legen möchte und dann doch lieber schwimmen geht.

Gelüste

Die Gedanken in den Schatten gestellt

Überland | © Anne Seubert

Die Gedanken öfter mal überland schicken, zwei hart gekochte Eier in die Hosentasche, die Feldflasche gefüllt und dann ab mit euch, bis zum Abendessen will ich euch nicht mehr sehen! Kommt alleine klar, verbrennt euch die Finger, sammelt Erfahrungen und Freunde, verlauft und verliebt euch, aber ruft bitte nicht an. Genießt die Freiheit, erobert euch Landzungen, setzt euch Grenzen oder unterhaltet euch mit euch selbst, bis zum Sonnenuntergang will ich nicht einmal eure Schatten sehen!

Die Schatten der Gedanken sind ebenso anhängliche wie gefräßigeGefährten, gut, wenn man Eindruck schinden will, aber mühsam wenn es darum geht, alle satt zu bekommen. Heute aber ist Thoughtless Thursday und ich habe beschlossen, das wörtlich zu nehmen und den Stall auszumisten: Alles, was laufen kann raus aufs Land – meinetwegen nennt es Klausur, Retreat oder Sabbatical – und der Rest darf denken, was er will, nur nicht mehr in meinem Kopf. Alle, die morgen ohne Denkberechtigungsschein hier aufschlagen, haben schlechte Karten.

Und dann erstmal Siesta: mit leerem Kopf ist gleich viel mehr Zeit für gute Laune und ausgiebigen Genuss. Danach noch ein Schäferstündchen – Schäfer, ein zwar aus der Mode gekommener aber darob nicht weniger dehnbarer Begriff -, ein Espresso ohne Weckauftrag und ein Nachmittag im Dunkeln. Bevor die Abendsonne sich aufschwingt, Licht in ebendieses zu bringen wird nochmal aus den Vollen geschöpft: Fliesen und Flausen, Flotte Walzer in Flagranti und Flitzpiepen auf Ex, dann ist Dinner for One und zum Nachtisch, ok, dürft ihr wieder mitspielen, wir treffen uns am Buffet!