Gegenwart

Aufwachen und dem Tag schöne Augen machen

Aufwachen | © Photo via Good Free Photos

… und sich mit geschlossenen Augen noch in den Tag tasten, spüren was mich erwartet, spüren auch, was ich aus der Nacht mitgebracht habe. Erstmal leise Töne anschlagen beim Formulieren der Tagesroute: Wohin soll es gehen? Wen möchte ich mitnehmen? Hat der Tag seine Pläne schon preisgegeben?

Das Innenohrwetter abhören, die Gemütslage besprechen, erstmal nur mit mir, und das Nervenkostümchen aufbürsten. Musik für die ersten Stunden raussuchen, Feuer machen. Den Augen einen ersten Blick raussuchen, behutsam scharf stellen und der Welt Konturen zugestehend zunicken.

Auch einen Kaffee? Lieber Tee?

Dem Tag in die Puschen helfen und mir aus den Träumen. Hängt da nicht eine Sonne hinter den Wolken? Wärmt das Blatt da am Baum vor dem Fenster sich nicht gerade auf für den Wind, der sich für einen Besuch am frühen Nachmittag angekündigt hatte?

Schließlich die Decke zurückschlagen und sich eingestehen: Mit die schönste Zeit des Tages, n’est-ce pas?

Gelüste

Schnupperstundenzettel

Anna Virnich: Hyperdrüse – Schering Stiftung meets Scentclub | © Anne Seubert
Anna Virnich: Hyperdrüse – Schering Stiftung meets Scentclub | © Anne Seubert

Dein Duft ist eine Brücke, er trägt das Wasser über den Brunnen, die Sommer der Kindheit zwischen den Knospen und das Haar offen.

Dein Duft?
… ist offensichtlich auf der Suche.
… steht gerne auf einem Bein.
… vermischt sich im Gehen mit Luft.
… legt den Kopf schief und täuscht Harmlosigkeit vor.
… führt zimtenen Schatten im Schilde.
… hat eine Kondition im Lächeln, die mich berauscht.

Dein Duft?
… hat die Augen geschlossen.
… fährt am Wochenende mit aufs Land.
… fragt weder nach meinem Wohlergehen noch nach meinem Begehr. Auch nicht nach Sonnenschein.
… legt sich in meine Arme. Und bleibt da erstmal auch.
… steigt mir zu Kopf.
… spricht ungern über sich.

Dein Duft?
… hat ganz schön was auf dem Kasten.
… geht auch mal eine Runde um den Block.
… lehnt sich an der Ampel an mich.
… kümmert sich um die unausgesprochen bleiben wollenden Detailsuche.
… lügt ungern und wenn entwaffnend errötend.
… lässt alle Fünfe gerade sein.

Deinen Duft?
… atme ich in kleinen Dosen.
… gebe ich ungern weiter.
… lade ich auf einen zweiten Drink an der Bar.
… halte ich nicht für ein Gerücht.
… würde ich gerne wiedersehen.

Die Schering-Stiftung widmet dem Geruch ein ganzes Jahr und mit der Hyperdrüse aktuell eine zweite Ausstellung featuring zwei Duftkompositionen auf Jojobaöl.  Die Düfte sind auf Wachsflächen angeordnet,  Die die Farbe Rosa tragen,  im Kontrast zu den Düften. Umso inspirierender fand ich und schrieb.