Gelüste

Und wenn schon!

Kommste mit? / © Anne Seubert

Und wenn schon alle Nächte neben dir lagen,
und wenn schon alle Tage dir zu Ehren früh aufgestanden waren,
und wenn schon alle Lippen deinen Geschmack unter ihren Herzen trugen,
möchte ich meine Haut entblößen, dich willkommen zu heißen.

Und wenn schon!

Und wenn schon alle Herzen deinen Namen trugen,
und wenn schon alle Ringe deine Finger umschlossen,
und wenn schon alle Wasser deinen Nacken kühlten,
möchte ich meinen Gaumen mit dir benetzen.

Und wenn schon!

Und wenn schon alle Hosen deine Knie umschmeichelten,
und wenn schon alle Orakel deinen Namen riefen,
und wenn schon alle Rosen deine Blüten trugen,
möchte ich mein Meer ausschütten, dich an Land zu spülen.

Und wenn schon, dann jetzt erst recht.

Gelage

Ich habe dir Zeit mitgebracht.

Ich habe dir Zeit mitgebracht,
von der guten alten und der, die alles heilt.
Von der zum Teilen & Verschwenden auch ein Scheibchen.

Ich habe neue Zeiten dir aufgeschnitten,
bislang unberührte, die frühestens morgen Blüten tragen werden,
und von den großen goldenen – ich konnte nicht widerstehen – spontan einen ganzen Korb voll.

Ich habe Zeitfenster eingepackt, die dein Haus mit Lichtgeschwindigkeit fluten werden, drei um genau zu sein:
eins für die frühen Stunden vor Tagesanbruch,
eins für die bräsigen, satten Nachmittagsstunden, die jeder will.
eins für die dunklen Stunden auch, die nicht fehlen wollen,
und ein kleines für die Minuten zwischen Tür und Angel, mehr eine Luke, ein Schlupfloch mit blauem Knauf.

Ich habe dir verlorene Zeiten aufgetan und gut verpackt,
zu öffnen erst, wenn die Erinnerung zurück
und die Tanzkarte der Zukunft mit freien Plätzen wedelt.