Gegenwart

Trauer dich, Baby!

Wenn die Einsamkeit sich ein Nickerchen gönnt, die Wut lieber laufen geht und die Angst untervermietet, ist plötzlich Raum für Streicheleinheiten scharenweise, bis der Himmel sich nachhaltig verdunkelt und die Scheinriesen ihrer Schatten verlustig gehen. Salz ist das neue Schwarz.

Die Welt holt nochmal Luft, lässt die letzten drei Kandidaten vortanzen und vergibt die Horizonterweiterung dann doch an die interne Doppelspitze. Verkündet wird crossmedial, die Augen machen den Auftakt und sorgen für die blickdichte Verlautbarung, die Wimpern paarweise gebürstet, ein Kompass für die, die sich Zukunft nennt und Gegenwart heisst.

Weiterbildung sei Trumpf, steht auf dem Buffet, das noch nicht eröffnet, digitale Talente kein Ersatz, auf der Klinke. Auf der Stelle tritt der zu, der selber weint. Edle Tropfen die Tränen, die sich auf die Strasse trauen, 3.8 % wird gefordert, 1,5% ist Pflicht, damit die Milch sauer wird. Bon Appetit, Tristesse!

Gemäuer

Nagelpröbchen auf Format

Der kleine Buchladen, Berlin | © Anne Seubert

 

Du hast dich mir vorgestellt, Großbuchstabe voran, Komma im Abgang.
12 Silben und ein Vaterunser, hattest du dich lächelnd erklärt, noch ehe ich nachfragen konnte und eine Apostrophe nachgeschoben, imperativ gesetzt. 

Ich hatte keine Zeilen mehr, aber eine Fußnote ließ sich freischaufeln, in die du deine Lettern mehr schobst als schriebst, die Kapitalen linksbündig, die Minuskeln spielend kursiv dazwischen und das T, in das ich mich auf Anhieb verguckt hatte, bekam die Bahn frei. Beschnitt war nicht, aber drei, vier Leerstellen bekamen wir unter. 

Barfuß am liebsten, heiß geprägt, ohne Kaschierung stünde auf deinem Stein, würdest du nicht Papier bevorzugen. Teil des Textes zu sein war dir nie so wichtig, wie auf der richtigen Seite zu stehen, der Ton näher als der Punkt, das Format wesentlich.