Geliebte

Here’s looking at you, Maroc

 

maroc anne

Meine Worte verstecken sich in dir, Marokko, schmeckst du das? Nur mehr ein Stottern wagt sich über meine Lippen und aus einem Augenwinkel blinzelt das, was du Vergangenheit nennst und ich Schatten. Gehst du gerade auf? Über vor Glück? Unter vor Wonne? Einen Schritt zu weit gen Westen?

Meine Wünsche hatten das Schiff längst verlassen, als du an Bord kamst, Land, das du dich selbst dem Sonnenuntergang widmest, das doppelte “K” noch auf der Schwelle abstreifend zugunsten eines kehligen Doppel-C, das seinerseits weit vor dem Dinner noch zu einem einzeln die Zeile entlang tänzelnden “C” abschliff.

Ich mag dein Keuchen, das mir in die Lenden fährt, auch wenn du nur ein paar Münzen abgreifen möchtest. Ich mag deinen Verkehr, den du unter der Hand regelst und deine rasende Eifersucht, die aufflammt, sobald ich das Licht lösche.

Ich mag, dass du liebst ohne meinen Nachnamen buchstabieren zu können, und dass du wie ich um jeden Atemzug ringst. Dass du die Säure der Zitronen kurzerhand mit Salz zelebrierst und unter den Braten mischst, statt sie mit Zucker mundtot zu machen.

Cher Maroc, lass uns das Wasser neu erfinden, das dir so fehlt, dir die Lippen benetzen und uns ein Bad einlassen, das uns schwimmen lässt statt immer und immer wieder nach dem Weg zu fragen.

Gegenwart

Gesegnet sei das Zärtliche

In diesen Jahren des Reisens und Begegnens wird mir deutlich wie sehr mein Leben von Büchern vorbestimmt ist. Wie ich mir aus Büchern meine Träume gefischt und dann ganz tief in mir vergraben habe, um sie eines Tages aus der Hosentasche zu zaubern und damit Horizonte in mir zum Leuchten zu bringen. Und dann stehe ich da wie jetzt und möchte schreiben und Herzen zum Schlagen bringen und den Tagen eine Nacht andichten, die so nie stattgefunden hat!

Ich möchte wallen und werkeln, Brot backen und über alle Berge eilen, um der Welt meine Freude mitzuteilen, dass ich da sein darf und atmen und lieben und einen Weg verzärtele, der Platz hat für viele und vieles. So bin ich dieser Tage also in dieser Stadt auf diesem Fetzen Erde gelandet, in der ein Buch spielt, das mir seinerzeit so tief ging, dass ich es immer wieder verschenkte, zuletzt dir, Liebster.

Wie schrieb ich einst:

Hinaus aufs offene
Meer
ihr Träume
sturmgepeitscht
Ozeane der Sehnsucht
überquerend
ferne Küsten zu erobern
wo die Erde noch
fruchtbar und die Sinne
gierig nach der Farbe
Leben warten
auf euch
von mir gesandten
mit heiliger Mission:
Ein Fleckerl Boden
suchen für die Pflanze
Mensch

Und unterschreibe es immer noch zu großen Teilen. Pflänzchen, such Boden dir nicht zum Ankommen, sondern zum Eingraben, Rauswachsen, runterkommen, einbuddeln, um zu blühen, zu baden und zu umarmen: Das Leben an sich und die Momente im Speziellen, dich selbst jeden Tag und die Menschen insbesondere. Komm nicht an, dreh noch eine Runde, der Abend ist fern und ich dir nah, wie nie, fruchtbar wie selten. Wohlan ihr Fremden, lasst uns zärtlichst Freunde werden.

PS: Der Titel ist wie könnte es anders sein von einem Buch inspiriert, das ein Freund in den Bergen schrieb: Gesegnet seit das Zeitliche – ich habe es noch nicht gelesen, aber Willi ist einer von denen, die ich gerne lese. Das Buch, das mich herbrachte ist eines dieser Bücher, die dich verführen mit Details und Andeutungen, einem Lächeln, einem Blick und einer Geschichte, die gleichsam erzählt und gemalt und irgendwie nie aufgelöst wird. Schade drum.