Geliebte

Indikator Nagel-Dichte

„Die Poesie wird mit dem Hammer gemacht!“
Guenther Uecker, 1930-2025

Mit Nägeln treibst du den Wind mir ins Gewissen
tiefer, fordert dein Autopilot
tiefer

Dein Atem berührt mich längst
da fragen meine Hände noch unbeholfen nach dem Weg auf deine Haut
Blüten-Asse im Ärmel

Amen übersetzt du neuerdings
Inshallah
trägst du auf der Zunge und als Antwort noch auf die ungestellteste Frage

Nur im Englischen lässt sich der Antwort so charmant zuvor kommen:
questioning ist aller Lehre Anfang, aller Liebe auch
möchte man meinen und beritet der Stille
einen Altar, dem alle Sprachem huldigen

Und dann kommst du, und schlägst deinen Nagel
in eine Landschaft, die sich selbst Landschaft genug:
Köpper, versenkt, ich möchte bitte einziehen!

Gegenwart

Durch den Wind und dann links

Wie du das Meer lässig um die sandigen Hüften geschlungen trägst, mit jedem Schritt ein Stück knochige Steilküste preisgebend. Wie du dir das Salz genussvoll von Fingern und Lippen leckst, als hielte es unterschiedliche Geschmacksvertäfelungen vor und wäre deine Zunge das Reibeisen, sie Krume für Krume herauszulösen, so konzentriert: Durch den Wind und dann links? Aufs Wasser und dann der Sonne entgegen? Unter einen Himmel, der einen Geruch mit sich trägt, der dich von fernen Ländern träumen macht!

Als wolle das Meer dir zuvorkommen, ebnet sich die Flut ihren Weg ins Landesinnere, wo zuvor kein Weg, nicht einmal eine Einfahrt sichtbar. Ich wage nicht zu werten, kaum wahrzunehmen, fast ist es, als hätte ich die Augen zu schließen und zu träumen, bis die Gezeiten und Kontinente sich neu geordnet. Das ist es also, dieses Afrika, dieses Land, das kein Land, dieser Ort, der kein Ort, diese Wucht, die keine Lobby. Ich möchte lösen und finde doch nur fremdsprachige Linkshänder und Landunter, wo zuvor Inseln schienen.

Um nicht anzukommen, wählst du die größte Welle, die der Gischt stolz paroli bietet, und ein Ziel, das noch nicht bekannt, aber bereits auf einer Landkarte verzeichnet wurde, versuchsweise und in einer sich selbst fremden Sprache. Am Horizont legst du Zeit und Raum ab, das restliche Gepäck werfen wir noch in der ersten Halbzeit über Bord, dann sind wir endlich leicht genug, Fahrt aufzunehmen und den Wind einzuholen, der vorausgeeilt war, um uns die Sicht zu ermöglichen, die uns staunen machen und unsere Kapitulation sicherstellen würde: Ankunft ist was für Anfänger, wir bleiben unterwegs.