Gelage

Drei Millimeter und ein paar Zerquetschte

Wie du doch das Schweigen satt hast, diese Blicke, diese Wut. Wie du das Messer öffnen möchtest, den Schmerz, das Fenster, den Mund. Wie du zubeissen möchtest, Gräben schlagen, zwischen Schulterblatt und Ohrläppchen.

Wie du den Mut einfließen lässt und den Schalk, als du die Zähne stattdessen ins Brot schlägst, das sie uns aufmerksamerweise zum Wein reichten. Wie dein Appetit nicht weiss, wohin mit sich, und dein Blick Stehblues übt.

Wie ich leise und leiser spreche und das Unausgesprochene immer lauter wird. Wie der Nachtisch nicht schnell genug kommt und die Zeit zwischen deiner Ahnung und meinen Umwegen ins Schlingern kommt. Wie dein Atem plötzlich fremde Sprachen spricht und eine, die nur geflüstert werden will. Die nur gilt, wenn zwischen Lippen und Ohrläppchen höchstens drei Millimeter und ein paar Zerquetschte.

Gelüste

Leibspeise unter Noldehimmel

Du schmiegst dich in die Landschaft, die will, dass du weisst, was ihr blüht, wenn der Schnee Leine zieht. Du bettest dein Ächzen ihr zwischen die frostigen Mulden, häufst Kälte an, trägst Schatten als hinterrücks doppelt so dicht, wie dir gut zu Gesicht stünde. Das Lächeln kommt erst nach dem dritten Grog die Treppe herunter, unter deinen Brauen geboren, seinen Auftritt minütiös geplant, halb grimmige Seufzerbrücke ins Ungemach, halb laszive Einladung ins schneebedeckte und doppelt unschuldig wirkende Hinterland.

Der Fluss umfließt unbeeindruckt Knie für Knie, täuscht Stromschnellen vor, statt ins Stolpern zu geraten, da magst du deinen Daumen noch so kokett übers Ufer halten: per Anhalter ist hier nicht. Die Schindeln tief ins Gesicht gezogen, lehn ich mich in deinen Wind, bin Welle dir und Obdach, Spiegel und Sporn, Muse und Fährte ins rar gesähte, echthaarwimpernumsäumte Heimatgefühl: Willkommen! Strom abwärts ist die Luft rein und der Noldehimmel gedeckt für zwei Leibspeisen wie uns.