Generika

wild

leise still sein und der wut die beine rasieren. wegducken wenn du dich schämst, frieren statt schlemmen. die angst einweichen und die zweifel ad acta legen. froh sein wenn einer fragt. fragt, warum das lächeln auch mittags um drei noch ausgestorben. klingelt, auf dass jemand die tür öffne, der gehen kann.

den schritt ins schlafzimmer wagen, nacktheit unterstellend. decken zurückschlagen und dich vor. barfuß eintreten, den mantel bis unters kinn zugeknöpft, auch wenn einer fehlt. das haar zur schleife gebunden, das linke ohr entblößt.

die schrammen sorgsam vorgezeichnet, die schulter entastet, die lende verzehrfertig: vier gänge automatik, die amuse gueule liegt heute auf eis. lasziv auch der blick an der gardine vorbei. halb acht schon und noch kein glockengeläut in sicht.

Gestik

Die Körper der anderen

50 Stunden Rehasport klingen erstmal nicht sexy. 1000 mal Umkleide vielleicht schon eher. Aber well, wirklich? Und dann doch. Sehr. Anders. Nachhallend.

Qualitytime zwischen Leibern, wie nur das Leben sie meisselt. Jetzt zum Ende des Winter in verblasstem Eierschalenweiss: Verschmitzte Sekretärinnen und Damen wie vom Grill, Verkäuferinnen wie die Göttin sie schuf. Ein Fressen für meine Sinne, das ich Gang für Gang genieße und doch nicht genug bekomme. Da fällt ein Socken, hier wird ein BH geknöpft – ich wage nicht nachzusehen, ob zu oder auf. Es ist kein Kokettieren in diesen Bewegungen, die rein der Entledigung nach Feierabend dienen und ich bin dankbar für die nur selten anwesende Hetze.

Du fragst mich, was ich denn daran schön finden könne und dass du das nicht nachvollziehen könntest. Im Gegenteil. Und ich lächele und weiß, dass du ja nunmal Männer in deiner Umkleide hast. Nicht diese unendliche Vielfalt von Schenkelbögen und Brüsten, von sich beugenden Rücken und quellenden Schulterblättern. Von Kniefalten und hinterrücks dem Körper entfliehen wollende Hintern. Nichts mit Schwerkraft trotzen, hier wird gefrönt. Hier gibt es blaue Flecke, die von unzarten Berührungen zeugen, von Tischbeinkanten und röhrendem Alltag.

Du hast nicht die Sicht auf diese schiere Möglichkeit an Bäuchen, schwärmerisch die einen, zerknittert die anderen, drall die dritten, froh dem Hosenbund entronnen zu sein für eine Runde Entspannungstraining. Als könne man Entspannung trainieren. Ich packe meinen Turnbeutel und nehme mit: Das Paar Schuhe mit den runden Kanten von wegen Theraband, das graue T-Shirt und die Ringelleggins, meine Mitgliedskarte und die Erinnerung an die Körper der anderen.