Gelüste

Tatort Blickwurfachse

Schmieg mich in deinen Blick
wochenends
wenn alle Überstunden schlafen
nur du nicht denn du
schminkst dich bereits für die kommende Woche.

Blanko. Komme was wolle.

Montags immerhin noch Kaffee zu zweit,
dienstags nur mehr der Schlag Wasser ins Gesicht,
mittwochs dann Bergfest,
raunst du in den Hörer nahe am Kinn gehalten
zwischen Faltenwurfkissen und R.E.M.
Und ich erwidere, einmal Träumen Togo und Patagonien und
zweimal das Frühstück im Grünen auf den Sonntag, please!

Voll Vorfreude hernach die Stunden am Gate:

Auf diesen Blick, der mir Heimat zwischen den Worten wird,
auf die Stunden fernab von Kleidchen und Smalltalk,
auf das Flüstern nach Mitternacht,
auf Bratäpfel bei Schneesturm und Aussicht auf die nächste Landung!

Geliebte

D‘accord, Paris?

Paris, du stahlskelettierte Reifrockdiva, du hast dich in Regen gehüllt, dieser Tage, die ich an deinem Rockzipfel nuckeln durfte, allzeit lächelnd und jeden noch so dürftigen Krumen deiner Aufmerksamkeit abpassend. Dabei hatte es so gut ausgesehen, wir hatten frühzeitig geplant und ausreichend Lücken auf dem Teller gelassen: Raum für Köstlichkeiten jenseits des Protokolls, für wortstarke Nichtigkeiten, serifenlos diskutiert und vor Morgengrauen in Stabreime gefasst, für schmeichelnde Begegnungen, für stolpernd besuchte Schnupperkurse und mitternächtliche Wangenstreichler en passant. Ich hatte die Nächte zuvor mit dem Vokabelheftchen aus den späten 80igern gekuschelt, Konjunktionen nachgeschlagen und ein Flirttutorial ausgegraben.

Doch dann kam uns wie so oft morastige Terminplanung und ein Taxifahrerstreik dazwischen – Tant pis! Ich komme wieder, mein Streifenshirt auf der nackten Haut und die Knie, wie du es magst, sonnenmilchtrunken aus dem Bleistiftröckchen lugend. Na gut, so in die Richtung jedenfalls. Und ja, ich duz dich weiterhin gnadenlos, da magst du mir noch so sehr die kalte Schulter zeigen – oder genau deswegen. Ich komm aus Berlin und würd mir für dich die Nägel lackieren, knallrot meinethalben, aber mehr auch nicht. Den Champagner musst du perlen lassen und mir die Seine kaiweise in den Arm legen.

Ich habe deinen Kaffee probiert, Schöne, während du schliefst, noch, morgens gegen 6 Uhr früh und die Baguettes nur dem Duft nach ahnbar waren in deinen unterkühlten Straßen. Gar nicht so übel auch ohne Milch und mit Müsli statt konfitürenbesänftigter Salzbutter auf Brotflaum. Ich hab mir deine Silhouette dieses Mal aus geradezu peripheren Winkeln schmecken lassen, die dir vermutlich nur ansatzweise bekannt und darüberhinaus ziemlich egal. Aber hey, ich mag diese Ecken, die erklärte Amateure links liegen lassen. Ich mag die Supermärkte, die Äpfel und Mandarinen stiegenweise verkaufen und Bistros vor den Toren der Stadt, wo man unter Tourist eine Schokoladensorte kennt und sich schinant die Umgangssprache aus dem Mundwinkel streicht bevor man mir einen schönen Abend wünscht. Ich mag diesen Teil von dir, für den du dich schämst.

Du warst nicht in Flirtlaune, ok, meine Seiten blieben unangetastet, deine Seine hinter der Linse, selbst die Croissants unversehrt. Umso ausdrücklicher seist du dir meiner erneuten Aufwartung versichert. Auf ein Glas Pastis an Oh la la , d’accord?

PS: Ich hätte dich so gern geknutscht!