Geliebte

Die Entzifferung des Wadenbeins

Mit nur einem Bein im Bett sagst du weit mehr über mich, als dass du am liebsten heiser schreibst, dass du in Blicke Träume pflanzt und Trampelpfade, Trampelträume nachgerade. Tragetuchschwenkend & der Welt ein Ohr leihend, in das ich meine Zungenspitze bette: tastend und dem Zittern Folge leistend, das sie goosebumps provozierend auf die Reise an deinen linken mkleinen Zeh schickt. Am Wegesrand jede Pore neckend, einzeln zunächst, dann synchron 14 auf einmal und dann doch wieder eine nach der anderen, die letzten drei wenigstens.

Einzeln wie das Stuhlbein, das dich trägt, kippelnd, vor und zurück, bis mein linkes Auge beim Hinsehen quietscht. Aber ehe auch nur eine Träne platziert, skizziert, angedacht, hat das Lächeln die Lippen übernommen. Ragt darüber hinaus. Tönt. Rennt. Tanzt. Spürt Inseln auf. Ruht zuweilen gar. Ewig linkslüstern mal wieder ich, links, da wo das Hüftbein bricht, noch ehe ich einen Fuß vor den anderen setzen konnte, da, wo der Oberarm etwas tiefer sitzt, wo auch das Herz säße, wenn es nicht den Bauchnabel auserkoren hätte als Burgfeste und immerwährende Heimat und darüber eine pulsierende Kommandobrücke geschlagen.

In deinen Blick hast du die Jahre gelegt, die den Scheitel zähmen. Den Scheitel, den die Sonne gezogen, ehe sie dich wach und mit Fernweh getränkt gen Tageslicht blinzeln ließ. Der Tag, an dem das Land einzig mehr denn artig von übermorgen spricht, als wüsste es, was da lauert, dabei kann es kaum das Seufzen deines Wadenbeins entziffern. Angebracht ist letzteres morgens, just bevor dein Wecker sein Stimmchen erhebt und du mit einem Bein im Bett noch die Jalousien öffnest und zum Kaffee einen Blick über das morgendliche Weichseldelta kredenzt und Sehnsucht nach den Morgen dieser anderen Stadt.

Geliebte

Bettstadt. Morgens. Backbord.

Die Angst vorwerfen. Dir. Mir zum Fraß. Einen halben Meter zu weit und immer einen Tag voraus. Backbord ankernd und der Angriffslust den Weg freimachend. Die Zärtlichkeit freischaufeln, weil dahinter nicht etwa Fried sondern Freude taumelt, Kapitelbändchen umsäumt. Regenbogen schießend. Lachsfaltend. Einhornblasend.

Lunte riechen und dem Monat noch vor der Halbwertszeit Beine machen. Eintagstöpfe statt Wochenendbeziehung. Ruß statt Weihrauch und der Lustverschiebung eine Bühne bereiten. Jenseits des Vorhangs eine Bettstadt richten für Bürger, die es noch werden wollen. Jetzt. Gestern. Vor Mitternacht jedenfalls und im Angesicht des nachweislich lispelnden Applauses in der ersten Reihe Geborener. Ich bitte um Nachsicht und bete schonmal vor:

Lehn dich an mich, über mich, um mich herum. Meinen Rücken schulterfrei schlürfend. Tragflächendeckelnd auch. Aufrichtig. Dem Bauchgefühl eine Hinterhand widmend, in deren Schatten der nächste Tag graut, morgenvoll wie schon seit gestern nicht mehr.