Gelage

Deine Stimme stell‘ ich mir ins Regal

Deine Sätze murmel’ ich. Drei auf einmal zwischen linker und rechter Wangentasche, gut kauen, sagt er und bestellt mich für morgen um zehn vor acht. Deine Sätze trag’ ich wie Kieselsteine unter der Zunge. Tageweise. Nachts neben das Kopfkissen gebettet, auf zehn nach zwei. Deine Sätze heb’ ich mir auf. Für den Sommerregen, der kommt, nicht kam. Nicht vorgestern, sondern übermorgen. Übernächtigt von drei stürmischen Reisetagen laut Radar. Für den Schnee, der auf Scheitel fällt, dort, wo die Wintersonne zuweilen Brände legt und dein Blick nichts als ruhen möchte.

Deine Stimme stell’ ich mir ins Regal. Zwischen die Kaffeetasse, die jeden Morgen dran glauben muss, und den Krug für die Milch, der nicht mehr gebraucht wird, seit Milch vom Speiseplan gestrichen wurde. Jeden Morgen gluckst sie bereits vergnügt, wenn ich die Küche betrete, schlaftrunken im Nachthemd hängend, von Türknauf zu Herdknopf taumelnd. Das Haar noch wild, die Füße bloß. Ringt mir ein Lächeln auf die Lippen, das von Telefonhörern träumt, lacht mir jugendliche Tagesfreizeit zwischen die Beine, nonchalant jeder ToDo-List den Wind aus den Segeln nehmend.

Deine Schultern tragen meinen Namen durch die Republik sagst du, atmest – einen Hauch nur – langsamer, incognito möchte man sagen. Ich schnuppere heimlich den Rotton deiner Wangenknochen als Amuse Gueule, Nuance für Nuance, weiche Silben ein, lege Sätze auf, die zwischen deine Lippen passen könnten. Vor den Hauptgang auch, der vor Minze triefen wird, ich weiß es genau, zwei Löffel auf einmal füllend und deinen Bauch noch dazu. Ich lege mein Haar in deine Hände, den Kopf frei zu haben für einen Nachtisch, der kommen und die Schüchternheit ad acta legen wird.

Gelage

Krügers DJ

Musik

Eine Nacht lang Tracy Chapman und ich kenne jedes deiner Barthaare bei Vor- und Nachnamen. Unter dem Treppenabsatz ein Hund, der meine Schüchternheit an der Leine hält. Am Fenster ein Eimer Minze, der mich vor dem ersten Kaffee bereits von Menthe à l’eau träumen lässt. Und vor dem Haus ein Tag, der ungeduldig mit den Morgenstunden scharrt. Brotduft aus der nahegelegenen Bäckerei aufwirbelt. Eine To-Do-List drechselt. Ich trage dein Zittern auf der Haut in diesen Tagen.

Fingerspitzend umarmt mich dein Blick, das Wimpernblatt ist frisch aufgemischt – blauschwarz im Ansatz und federnd im Abschwung. Es ist Wort an der Zeit versprichst du dich und freust dich doch weiter am Schweigen, das zwischen unseren Zehenspitzen Ringelegängele tanzt. Mit dem ersten Bissen Sonne im Mundwinkel lächelt es sich asymmetrisch aber kokett, fährst du fort, klaubst noch vor dem Doppel-T wie nebenbei mir mit der Nasenspitze die ersten Sommersprossen von der Wange.

Lachen will ich, auf dass die Noten von der Linie hüpfen, der Flaum dir von der Oberlippe, die Schatten dahin, wo Pfeffer wächst und gedeiht. Auf dass der Tag sich ein Schnippchen schlägt und eine Nacht durchmacht oder zwei. Hauptsache der DJ wechselt, der Kaffee bleibt schwarz und die Tür geschlossen.