Gelüste

Feiertags

Eben noch: das Leben verwünscht, aus aller Kraft und mit schiefem Lächeln dem rumbuckligen Lebensgeist ein Bein nach dem anderen gestellt. Dann aber: Die Knie zurück unter die Bettdecke gezogen, ausatmen und Tee trinken. Den guten mit den koriandergrünen Minzblättern aus deinem Garten. Dem Wunder krumigen Boden bereiten, die Erde auflockern, handvollweise Luft unterheben, da und dort gar Mohnblumensamen vergraben. Dir und mir Lust unter die Nase reiben, behutsam die Hand auf eine rechte Wade und die Wade an eine Fußsohle legend. Lächeln.
F5 drücken.

Wortörtliche Kleinode wie Brausebonbons mir auf der Zunge zergehen lassen, dem Kribbeln hinterlächeln wie es mir zwischen den Brüsten gen Schambein rinnt. Der wispernden Gänsehaut auf deinen Schenkelinnenseiten nachspüren. Endlich wieder Puls haben. Durstig einatmen. Hörbar ausatmen. Innehalten.

Später dann die Nachmittagssonne mir um die Schultern legen, fröstelnd. Den Boden wässern, nähren und wenigsten die oberste Schicht mit den rotlackierten Fußnägeln durchpflügen. Ob des flirrenden Fliederdufts inmitten der satten Sommerluft Appetit bekommen, jenseits des flaumigen Bauchnabels. Den Abend willkommen heißen, der schüchtern um die Ecke biegt. Dich lautlos aber nachdrücklich auf einen Apero einladen. Und auf Wassermelonensalat mit Schafskäse und gerösteten Pinienkernen im Bett.

Gestern

Zeit der Wölfe

Ein Tag Sonne genügt vollkommen: das Du in mir lacht sich ins schweißnasse Fäustchen, schüttelt Wehmutfetzen ins algenverhangene Havelwasser und hält Ausschau nach der nächsten Eisdiele. Es legt mir spontan eine Geburtstagsfeier um den nackten Hals mit Pistazienbrötchen und Bootstour und vielen kleinen Glückwünschen, die ich mir einzeln ausgedruckt und handkoloriert an die neue Wand nagele.

Abends zieht mein gelbes Kleid Komplimente aus und macht mich unwillkürlich lächeln – trotz Fußball am Nebentisch, Tartar auf dem Teller gegenüber, und dem hungrigen Reißwolf in meinem Kopf. Einen Abend gibt er sich mit Vorspeisen zufrieden, isst Brot und Butter und nur so viel Salz, dass es für die nächsten Tränen reicht. Dann ist Mitternacht und der Geburtstag auch schon vorbei.

Der Morgen danach wartet mit Diskussionen auf und siebenmeterlanger Einsamkeit, die nicht einmal durch Zirkeltrainingsattacken zu besänftigen ist. Das Display zeigt viertel nach fünf und nur durch Zufall ist der Kühlschrank voller Käse und das Brot mit Walnüssen gesättigt. Der Wolf hat seine Zähne schneller platziert als ich meine Tränen zurückgedrängt, Brot und Salz und blutunterlaufene Käserinde sind Zeuge.