Generika

out of nippon

Mindestens schon drei Texte zu diesem Titel verfasst. Keiner aromadicht getextet, alle mit zu vielen Konjunktiven, zu viel “ich”. Dabei handelt es sich hier um ein Café nicht weit von mir sowie einen ungeteilten Sehnsuchtsort, ausgekleidet mit einem sättigenden, fuß- bis kopfwärmendem Soundteppich (ungefähr so in die Richtung). Es ist neben dem Küchentisch im Haus meiner Eltern einer der wenigen Orte an denen ich Zeitung lese, Artikel für Artikel. Die FAS gibt es dort und feinen grünen Tee (ein Ort für Herrn Krüger?) und von dieser warmen, ruhigen Freundlichkeit mitFenstern zu einer Straße, die ich sofort adoptieren möchte.

Und noch immer zieht der Winter mit kalten Tagen im Schlepptau durch die unbewachten Wochentagsmorgen, süffelt Arbeitsunlust, verlangt Schutzgeld bei Handschuhlosigkeit und zu kurzen Röcken, kürzt die Nachtruhe auf Kosten der Heizperiode, lächelt ob Balkonbegrünung und Sonnenbrillen. Bringt Regen. Die Normalität aufs Brot gestrichen, dick, zwischen Nutella und Butter, den Würgereiz überbietend, flitzt deine Stimme über meine Unsicherheit, meine ungeliebten Freunde, rückt mir auf die Pelle und erobert sich lächelnde Augenblicke, einen nach dem anderen. Gut, dass die Fassade steht, kaum Tränen, man lobt die Ausgeglichenheit.

Bergauf sieht das Glück verliebt aus, mit Babybauch im inneren linken Augwinkel, wahlweise Kotflügel unterm Schulterblatt. Wahlweise kann das Glück fliegen. Erwähnte ich, dass ich Ranunkeln liebe?

Gelage

Küsst Gott? Wenn ja, wen?

In meine Wimpernzwischenräume hast du dich gerettet, am Fuße meines Grübchen dich niedergelassen, hast Wurzeln geschlagen. Dein ebenso heimliches wie kindliches Lächeln, das, das es nur am Telefon gab, hat sich gar hinter meinem linken Ohrläppchen verschanzt. Dort klingelt es bei längeren Zugfahrten und wenn mich nachts eine SMS aus dem dünn gewordenen Schlaf ruft. Mal schüchtern nuschelnd und unterbrochen wie von Funklöchern, mal in breitestem Schwäbisch, den Singsang des Dialekts schwungvoll zur Lippenbogenbildung ausnutzend.

Meine Tagträume haben sichtbar Federn gelassen, sie verlangen nahezu stündlich nach Vitamintabletten, mein Powerhouse, meine Fingerspitzen sind spürbar abgekühlt, ich trage den Mut jetzt eher in den Kniekehlen. Deine bärlauch-farbene Ernsthaftigkeit hat sich den Moment des ersten Kaffeeschlucks gekrallt, unabhängig von der Tageszeit beschleicht mich zur Bitternis des Gebräus nun gerne einer deiner dunklen Blicke. Rumort im Abgang noch in den finstersten Gewölben meines Gaumens, tastet mit Vorliebe die dabei unwillkürlich entstehenden Stirnfalten ab. Weiß um meine Weichheit was die Dämmerung, um meine Unlust was Mundgeruch anbelangt.

Deine Unsicherheit hat Schalk bewiesen und meine Zweifel angezapft um gemeinsame Sache zu machen. Hat Schleppnetze gesät und entsprechend Unmut geerntet, zugleich aber Inseln geschaffen, an die beim übereilten Abschied bereits Schnippsel unserer verzärtelten Ängste, gedrechselte Echos wunderlichen Worte und Skizzen deines bleiernen Elfenbeinturms geschwemmt wurden. Die Steilküste am Nordufer war sturmumfluteter Zeuge unseres Aufbäumens und trägt – eingeritzt in die Wände ihrer unterirdischen Höhlen – die letzten Stempelabdrücke unserer U-Bahn-Karten.

Meine Seele aber giekst weiterhin unwillkürlich, sobald meine Gedanken in deine Richtung abschweifen, sie errötet genüsslich beim Ausformulieren deines Vornamens in einer Art, dass mir das Gefühl deiner warmen Haut meine Handinnenflächen entlangstreicht, meine Lebenslinie wachkitzelt, so dass meine Zunge sich vor konspirativer Kusslust kräuselt.

Alles Oberflächlichkeiten, ich weiß wohl, flüstert mein Seelchen, mein inwändiges Dolby Surround System mit all den untertourig mitschwingenden unübersetzbaren Zwischenzeilen zum Beben bringend, atemlos, aber siegesgewiss. Das wissen wir beide, nicke ich, auch dass der Untergrund, ein wiewohl meist blickdicht verschlossener so doch ausschlaggebender war. Sollte er unseren Weg oder auch nur meine Wahrnehmung nochmals kreuzen, ich lade ihn auf die überfällige Pizza ins Z. ein, die Nacht danach verbringt er in meinem Arm, Lippe an Lippe, grinst sie nonchalant, und es wird keinen Morgen geben.