Gelage

Zum goldenen Ohrläppchen

Dein sich vorzugsweise im Halbschatten einer aus dem Schnitt geratenen Strähne tummelndes und daher gülden schimmerndes Ohrläppchen ist mir Fluchtpunkt, dein lustvoller Gebrauch des Subjonctiv Obdach in noch der hitzigsten Debatte, dein radebrechendes Italienisch Refugium in einem Alltag, der das A nur mehr als Makulatur vor sich herträgt.

Ah! sagst so auch du und meinst längst mehr als das, ragst mit deinem Laut in unsere Stille wie ein Aufruf zum Genuss, begleitet von einem Seufzen, dass die Überraschung einläutete, als sie des Gestaltungsfreiraumes gewahr wurde, der zwischen Mitternacht und Kaffee ans Bett sich auftut, wenn die Reihenfolge geklärt und das Bett ungemacht bleiben darf.

Musik, fragt der Kellner und holt prompt die Jukebox aus ihrer Ecke, und zwei Münzen später weiß das Tanzbein wieder um seine Hüfte, mein Knie wieder den Takt, dein Ohrläppchen schmiegt sich versuchsweise an meine Wange und Flucht ist erstmal keine Option.

Gegenwart

Kirschblütenfeststellung

Was wäre wenn,
deine Augen morgens die ersten wären, die mich sehen,
dein Mut das Eis zwischen uns zum Berg und den Berg hinauf brächte,
deine Hand die letzte in meiner wäre,
dein Verstand meinen Verstand um seine angebliche Gesundheit brächte?

Was wäre möglich, wenn
deine Wut meiner Angst lange Beine und
meine Lügen um ihre kurzen brächte,
dein Blick den Horizont das Fürchten lehrte,
deine Achselhöhle meiner Nasenspitze Zuflucht gewährte, und
mein Hut still und heimlich auch Dich behütete?

Was wäre vorstellbar, wenn
deine Rechte meine linke für sich behielte,
mein Appetit auf dich größer als meine Augen würden,
dein Alphabet Zahlen bevorzugte, und zwar die mit drei Stellen hinterm Komma, und
unsere Sätze am Ende immer ihren Anfang suchten, und aus jeder Frucht heraus das Blühen versuchten?