Gestern

Kleinödnis, um den Finger gewickelt

Auf schrindigen Fingerkuppen die Wochentage balanciert, stets den Mittwochabend im Visier. Zwischen Daumen und Zeigefinger entscheidet sich die Reihenfolge alle paar Sekunden neu. Frisch gezüchtete Nagelplättchen erleichtern das Erfüllen der selbst gestellten Aufgabe, sorgen zugleich aber für eine wenn auch subtil so doch hörbar unangenehme Geräuschkulisse, Schellack auf Zeit. In stürmischen Zeiten fällt das Wochenende ganz aus, folgt auf den Diens- ein Donnerstag.

Verängstigten Regennachmittagen die Schulter geboten und heißen Kakao, Vollmilch ohne Sahne, gereicht. Den Hunger an die Leine genommen und die Stille mit Schlürfen getröstet. Die sich gegen meinen Willen stets aufs Neue bildenden Hautschichten mit routiniertem Ekel von der Oberfläche geschürft und mangels weiterer Behältnisse im glücklicherweise großzügig bemessenen Laffen des hierzu verwendeten Löffels gestapelt. Zuvor auf seine blankgeleckte Rückseite lüsterne Schattenrisse geworfen.

Schließlich den Rasensprenger für den Winterschlaf eingekleidet, den Strumpfhosen vom letzten Jahr wenigstens die unvorteilhaftesten Löcher gestopft. In Erwartung der künstlicher Wärme bedürftigen Wintermonate, den Rußpartikeln vorsorglich die Landeflächen auf Bücherrücken und furnierten Möbelkanten frisch aufpoliert. Die Sonnenbrille auf die Straße gesetzt und dem damit vorerst arbeitslos gewordenen Nasenrücken eine Wohlfühlmassage verabreicht, die unwillkürlich bis über beide Ohren ausstrahlte und selbst die Stirnfalten nicht unberührt ließ.

Gesuche

Beißbeere*, und zwar die, die scharf ist

oder
Auch Paprikas gönnen sich heuer einen Migrationshintergrund

Wäre ich dem letztwöchigen Ruf der Wildnis gefolgt, hätte paprizieren baldigst zu meinen nicht täglich, doch aber allwöchentlich vollzogenen Handlungen gezählt. Das hätte nicht an der veränderten Vegetation meiner neuen Umgebung gelegen. Mitnichten. Alles eine Frage von Signifikat und Signifikant, von Spracheigenheiten und Kochtöpfen der einzelnen Völkchen innerhalb des deutschsprachigen Raume. Sowie darüber hinaus. Das Pulver der Küchencaballeros und die rot/gelb/orange/grüne Frucht teilen viel, aber nicht alles, oft den Namen, aber nicht immer.

Ich jedenfalls mag derdiedas Paprika in ziemlich jeder Form, die Frucht als Rohkost pur, im Salat, in der Pfanne, mit Fleisch oder ohne, im Gulasch, im Gratin, oder auch aufs (Käse-)Brot. Nur in Kombination mit Fisch wird mein Magen laut und rebelliert bei Missachtung seines Vetos ohne Hemmungen. Als Gewürz rosenscharf und edelsüß in allen nur erdenklichen Rottönen, als Chili in der mexikanischen, als piri piri in der portugiesischen, als Paprika in der schweizer Küche. Auch den hot pepper in amerikanischen kitchen, die Red Hot Chili Peppers im Ohr, ach peppers überhaupt.

Rote, kurze, dicke, grüne, lange, krumme Chilis und Peperoni, dürfen alle in meinen Suppen mitkochen. Wird es zu rattig, lösche ich allerdings gnadenlos mit Sahnigem, vorzugsweise Kokosmilch, nur ist diese alles andere als in meiner Küche heimisch. Ich mochte Paprika Kramer, damals zwischen den Buchdeckeln und ich habe beim Italiener die gefüllten Peperoncini gern zwischen den Fingern, was sag ich, Zähnen.
Trotzdem hätte ich beinahe über was anderes geschrieben, auch mit Migrationshintergrund, klar, prominenter in jedem Fall, liebreizender irgendwie und mindestens so lecker wie P., allerdings mit Suchtpotenzial.

*ob das ungefragt ungesagt gebliebene Fräulein von nebenan über eine solche zu oder gar statt ihres Beißringes erfreut wäre?